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  • Mikroplastik im Meer: Biologen untersuchen Effekte auf Meerestiere

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    Eine Meeresassel der Gattung Idotea (hier die Art I. baltica) mit Futter. Foto: Alfred-Wegener-Institut / Julia Hämer

    Mikroplastik im Meer: Biologen untersuchen Effekte auf Meerestiere

    Meeresasseln scheiden gefressene Mikroplastik-Partikel unverdaut wieder aus. Das ergab eine Studie von Biologen des Nordseebüros am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), die kürzlich in der Fachzeitschrift „Environmental Science and Technology“ erschienen ist. Die Studie bildet den Auftakt einer Reihe von Untersuchungen, um eine Gefährdungsmatrix zur Sensibilität verschiedenartiger Meereslebewesen gegenüber Mikroplastik-Verschmutzung zu erstellen.

    Fressen manche Vögel oder Fische große Plastikteile, so kann das durch Verstopfungen des Magen-Darm Traktes letztlich dazu führen, dass die Tiere verhungern. „Wir haben uns gefragt, ob kleine Plastikteilchen einen vergleichbaren Effekt auf kleinere Tiere haben“, sagt Dr. Lars Gutow vom AWI-Nordseebüro. „Die Effekte von Mikroplastik auf die Lebewelt sind weitgehend unerforscht, so dass es eine große Unsicherheit gibt, welche Schäden entstehen können“, erläutert der Biologe die Motivation für die Studie.

    Lars Gutow und seine Kollegen haben die Meeresassel Idotea emarginata als Modellorganismus für eine erste Fallstudie ausgewählt. In Fütterungsexperimenten boten die Forscher den Asseln künstliches Algenfutter an, das mit Kunststoffpartikeln angereichert war. Das Futter enthielt drei verschiedene Sorten von Mikroplastik in unterschiedlichen Konzentrationen. Dabei wurden industriell hergestellte Partikel aus Polystyrol mit einem Durchmesser von zehn Mikrometern sowie selbst hergestellte Fragmente und Fasern aus Polyethylen bzw. Polyacryl verwendet.

    Unter dem Lichtmikroskop, mithilfe eines Fluoreszenzmikroskops und unter dem Elektronenmikroskop haben die Forscher die verschiedenen Gewebe untersucht. So konnten sie den Weg der Mikroplastik-Partikel durch die Asseln nachvollziehen und die Konzentrationen der Partikel in den Organen bestimmen. Ihr Ergebnis: Die Konzentration von Mikroplastik im Futter war ebenso hoch wie in den Ausscheidungen der Asseln. Sowohl im Magen als auch im Darm der Tiere fanden sie geringe Mengen Mikroplastik. In den Verdauungsdrüsen der Asseln konnten sie keine Mikropartikel nachweisen. „Die Meeresasseln haben das künstliche Futter mit den Mikroplastik-Partikeln gefressen und wieder ausgeschieden, ohne die Partikel zu resorbieren beziehungsweise zu akkumulieren,“ fasst Gutow die Ergebnisse zusammen. Die Plastik-Partikel in der untersuchten Größenordnung stellen demnach keine unmittelbare mechanische Gefahr für Meeresasseln und wahrscheinlich auch nicht für andere Krebsarten dar. „Bei Idotea emarginata geraten die von uns untersuchten Mikroplastik-Partikel nicht in die Verdauungsdrüse. In diesem sensiblen Organ findet bei Krebstieren hauptsächlich die Aufnahme von Nährstoffen statt“, so der Biologe vom AWI-Nordseebüro.

    In einem länger angelegten Experiment fanden die Wissenschaftler zusätzlich heraus, dass die Asseln auch nach sechs bis sieben Wochen keine Langzeiteffekte zeigten. Fitnessparameter wie Überlebensrate oder Wachstum unterschieden sich nicht zwischen Tieren, die mit beziehungsweise ohne Mikroplastik in der Nahrung gefüttert wurden.
    In einer früheren Studie hatte jedoch die AWI-Biologin Prof. Dr. Angela Köhler nachgewiesen, dass Miesmuscheln Mikroplastik-Partikel aufnehmen, resorbieren und Entzündungsreaktionen zeigen, wenn sie im Experiment hohen Partikelkonzentrationen ausgesetzt sind. Das zeigt eindeutig, dass die verschiedenen Tierarten ganz unterschiedlich auf Mikroplastik reagieren. „Anders als die filtrierenden Muscheln nehmen Meeresasseln der Gattung Idotea wahrscheinlich in ihrem natürlichen Lebensraum viel häufiger unverdauliche Partikel mit der Nahrung auf und sind entsprechend daran angepasst,“ erläutert Gutow.

    Aber nicht nur der Ernährungstyp interessiert die Biologen bei ihren langfristigen Betrachtungen: „Wir wollen systematisch untersuchen, wie Lebensweise, Lebensraum, Physiologie und Anatomie von verschiedenen Meeresbewohnern die Aufnahme und Verwertung von Mikroplastik-Partikeln beeinflussen, um darauf aufbauend eine Gefährdungsmatrix für verschiedenste Organismentypen zu erstellen,“ sagt Lars Gutow. „Außerdem ist es wichtig, neben den von uns betrachteten physikalischen Effekten auch mögliche chemische (toxische) und biochemische Effekte zu überprüfen“, so sein Ausblick auf zukünftige Aufgaben.

    Originalpublikationen:
    Julia Hämer, Lars Gutow, Angela Köhler und Reinhard Saborowski, Environmental Science and Technology (2014): Fate of Microplastics in the Marine Isopod Idotea emarginata (DOI: 10.1021/es501385y)

    Nadia von Moos, Patricia Burkhardt-Holm und Angela Köhler, Environmental Science and Technology (2012): Uptake and Effects of Microplastics on Cells and Tissue of the Blue Mussel Mytilus edulis L. after an Experimental Exposure (DOI: 10.1021/ es5302332w)

    http://www.awi.de/de/

  • EU-Fischereirat handelt wieder einmal jenseits der Wissenschaft

    EU-Fischereirat handelt wieder einmal jenseits der Wissenschaft

    EU-Fischereirat beschließt Fanggrenzen jenseits wissenschaftlicher Empfehlungen

    NGOS rufen den neuen Fischereikommissar auf, die Beendigung der Überfischung voranzutreiben

    Am 17. Dezember hat der Rat der Fischereiminister der Europäischen Union die Fanggrenzen für 2015 für Fischbestände im Nordostatlantik und angrenzenden Gewässern festgesetzt.

    Die für die Fischerei zuständigen Minister der 28 Mitgliedsstaaten trafen sich diese Woche, um über die zulässigen Gesamtfangmengen für das kommende Jahr für EU-Fischereifangflotten zu entscheiden. In einer Vielzahl von Fällen hat der Rat Fanggrenzen festgesetzt, die oberhalb der wissenschaftlichen Empfehlungen liegen und im Widerspruch zur Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) stehen.

    In den vergangenen zwei Jahren haben die Minister signifikante Anhebungen von Fanggrenzen beschlossen, oft oberhalb der wissenschaftlich empfohlenen Mengen. Gleichzeitig haben sie eine GFP-Reform verabschiedet, die eindeutige Ziele für eine Beendigung der Überfischung festlegt.

    „Fischbestände und Fischer sind gefährdet, wenn die Minister die vereinbarten Richtlinien ignorieren und die Überfischung weiterhin zulassen“, warnt Uta Bellion, Direktorin des Europäischen Meeresprogramms der Pew Charitable Trusts. „Zwar sieht die GFP einen Aufschub der Frist über 2015 hinaus vor, dies allerdings nur dort, wo ihre Einhaltung die soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit der betreffenden Fangflotten ernsthaft gefährden würde. Bisher wurden der Öffentlichkeit sehr wenige Belege hierfür vorgelegt.“

    „Pew fordert Karmenu Vella, den neuen EU-Kommissar für Umwelt, Fischerei und maritime Angelegenheiten, auf, als Hüter der reformierten GFP sein Bestmögliches zu tun, damit die Überfischung innerhalb der vereinbarten Fristen beendet wird,“ so Bellion weiter.

    Im Oktober hatte die Europäische Kommission Fanggrenzen vorgeschlagen die größtenteils den vorliegenden wissenschaftlichen Empfehlungen und der reformierten GFP entsprachen. Wo dies nicht der Fall war, hätten die Minister die Möglichkeit gehabt, eine Führungsrolle zu übernehmen und Vorsorge walten zu lassen durch Festlegung niedrigerer Fanggrenzen. Stattdessen sind sie einem nunmehr 30 Jahre alten Verhaltensmuster gefolgt, eine noch stärkere Überfischung gesetzlich zu vereinbaren.
    In diesem Jahr haben die Minister bereits zweimal eine Fortsetzung der Überfischung beschlossen. Im Oktober wurden fünf von zehn Fanggrenzen für die Ostsee oberhalb der wissenschaftlichen Empfehlungen festgesetzt. Im November beschlossen die Minister Fanggrenzen für Tiefseebestände, welche die in den wissenschaftlichen empfohlenen Fanggrenzen in 14 von 18 Fällen überstiegen.

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    1. Die Anfang 2014 in Kraft getretene reformierte GFP fordert, wo immer möglich die Überfischung im Jahr 2015, schrittweise jedoch spätestens bis 2020 zu beenden. [http://ec.europa.eu/fisheries/reform/index_de.htm]

    2. Mehr als 40 Prozent der untersuchten Bestände im Nordostatlantik und den angrenzenden Gewässern sind überfischt. [http://ec.europa.eu/dgs/maritimeaffairs_fisheries/consultations/fishing-opportunities-2015/doc/com-2014-388_de.pdf]

    3. Studien belegen den potenziellen Nutzen, die Überfischung zu beenden. Laut einer Analyse der New Economics Foundation (NEF) könnten durch eine Erholung der europäischen Fischbestände pro Jahr auf dem gesamten Kontinent zusätzliche Einnahmen in Höhe von EUR 3,2 Milliarden erzielt und bis zu 100.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. [http://www.neweconomics.org/publications/entry/jobs-lost-at-sea]

    http://advocacy.pewenvironment.org/ea-action/action?ea.tracking.id=Web&ea.campaign.id=29326&ea.client.id=1793

  • Erste Expedition der neuen FS SONNE im Atlantik

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    Mit FS SONNE dem Atlantik auf den Grund gehen

    Erste Expedition des neuen deutschen Forschungsschiffs startet in Las Palmas

    Ökosysteme und geologische Prozesse am Grund des Atlantiks sind die Themen während der ersten Expedition des neuen deutschen Forschungsschiffs SONNE. Sie startete gestern Abend unter Leitung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel und des Centrums für Naturkunde der Universität Hamburg von den Kanarischen Inseln aus zum Mittelatlantischen Rücken. In einem Blog berichten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von ihren Arbeiten auf See.

    Sie ist der größte Lebensraum der Erde und gleichzeitig der am wenigsten erforschte: die Tiefsee. Alleine die Ebenen, die zwischen 3000 und 6000 Meter unter der Wasseroberfläche liegen, nehmen mehr als die Hälfte der Erdoberfläche ein. Aus ihnen erheben sich gewaltige Gebirgszüge, während an anderen Stellen Gräben bis in 11.000 Meter Tiefe abfallen. Die riesigen Flächen und die enormen Tiefen sorgen dafür, dass unser Wissen über Vorgänge am Grund der Ozeane sehr lückenhaft ist. Das neue deutsche Forschungsschiff SONNE soll dazu beitragen, dieses Wissen Stück für Stück zu erweitern. Die erste Expedition mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, des Centrums für Naturkunde der Universität Hamburg (CeNaK) und der Universität Köln mit Unterstützung des Deutschen Zentrums für Marine Biodiversitätsforschung der Senckenberg-Gesellschaft startet jetzt in den Atlantik. „Wir freuen uns sehr, diese beeindruckende Arbeitsplattform als erstes Team für unsere Untersuchungen nutzen zu können“, sagt der Fahrtleiter Prof. Dr. Colin Devey vom GEOMAR.

    Für ihre wissenschaftliche Jungfernfahrt verließ die SONNE gestern Abend Las Palmas (Kanarische Inseln) und nimmt jetzt Kurs auf den Mittelatlantischen Rücken. Das ist ein über 20.000 Kilometer langer Gebirgszug, der sich meist unter Wasser von Nord nach Süd durch den Atlantik erstreckt. Zahlreiche in Ost-West-Richtung verlaufende geologische Bruchzonen unterteilen ihn. Die größte, die „Vema Fracture Zone“ liegt bei etwa 10 Grad nördlicher Breite. Sie ist das Hauptziel der Expedition. „Weil die Vema Fracture Zone den mittelatlantischen Rücken komplett durchschneidet und dabei ein mehrere tausend Kilometer langes Tal bildet, ist die Region für Biologen und Geologen gleichermaßen interessant“, betont die stellvertretende Fahrtleiterin Prof. Dr. Angelika Brandt vom CeNaK.

    Geologen können in der Bruchzone grundlegende Prozesse der Plattentektonik beobachten. „Der Mittelatlantische Rücken markiert seit über 100 Millionen Jahren die Grenze zwischen Afrika und Amerika. Dort steigt kontinuierlich heißes Material aus dem Erdinneren auf, um neue Erdkruste zu bilden. Die Bruchzone gibt uns hoffentlich detaillierte Einblicke in diese Vorgänge“, erklärt Professor Devey. Gleichzeitig wollen die Biologen wissen, ob diese untermeerischen Gebirge eine Barriere für am Meeresboden lebende Organismen darstellen. „Die Bruchzonen könnten dann so etwas wie ein Tor zwischen Lebensgemeinschaften des östlichen und des westlichen Atlantiks sein“, sagt Professorin Brandt.

    Mit Greifern und geschleppten Geräten werden die Forscher die Zusammensetzung der am Boden lebenden Gemeinschaften in der „Vema Fracture Zone“ beproben und fotografieren. Dabei kommt auch das autonome Unterwasserfahrzeug AUV ABYSS des GEOMAR zum Einsatz. Es wird das Untersuchungsgebiet präzise kartieren. „Wir wollen mehr darüber wissen, wie die Eigenschaften des Wassers, die Lebensweisen der Organismen und die Beschaffenheit des Meeresgrundes sich gegenseitig beeinflussen“, erklärt Angelika Brandt. Die gewonnenen Daten sollen auch Grundlagen für ein geplantes Großforschungsprojekt zur Plattentektonik liefern und erstmalig vollständige und detailreiche Tiefendaten entlang einer Bruchzone liefern. Das gemeinsame Ziel der EU, Kanadas und der USA, den Atlantik gänzlich zu kartieren, wird dadurch ebenfalls ein Stück näher rücken.

    Gleichzeitig freuen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler darauf, das neue Schiff im Einsatz kennen zu lernen. „Die Ausmaße sind beeindruckend. Wir haben viel mehr Platz für unsere Geräte und Arbeiten als auf der alten SONNE“, sagt Colin Devey. Und nicht zuletzt die geräumige Messe könnte dem Forscher-Team auf dieser Reise zugutekommen. „Immerhin sind wir über Weihnachten und Silvester auf See. Das wissenschaftliche Programm läuft an den Feiertagen weiter. Aber es wird natürlich auch eine kleine Feier geben“, verspricht der Fahrtleiter.

    Wer wissen möchte, wie die Feiertage auf See verlaufen und welche Arbeiten sonst während der Expedition SO237 anstehen, kann die Expedition auch im Internet verfolgen. Unter www.oceanblogs.org/so237 berichten Mitglieder des wissenschaftlichen Teams regelmäßig von ihrer Tätigkeit auf der neuen FS SONNE.

    Expedition auf einen Blick:
    FS SONNE: SO237 „Vema-TRANSIT“
    Fahrtleitung: Prof. Dr. Colin Devey (GEOMAR), Prof. Dr. Angelika Brandt (CeNaK)
    Fahrtdauer: 15.12.2014-26.01.2015
    Starthafen: Las Palmas (Kanarische Inseln)
    Arbeitsgebiet: Mittelatlantischer Rücken / Puerto Rico-Graben
    Zielhafen: San Juan (Puerto Rico)

    http://www.geomar.de/index.php?id=4&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=2211&tx_ttnews[backPid]=185

  • Temperaturrekord in der Nordsee

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    Warmer Sommer und Herbst hinterlassen ihre Spuren in der Nordsee

    Die Oberflächentemperatur der gesamten Nordsee im November hat mit 11,8 °C den höchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1969 erreicht. Sie lagen um 2,1 °C über dem langjährigen Mittel des Monats November von 9,7 °C. Seit 1969 hat sich die Novembertemperatur der gesamten Nordsee im Mittel um 1,1 °C erhöht.

    Regional wurden mit über 13 °C die höchsten Temperaturen im Bereich des Einstromes aus dem Englischen Kanal und an der europäischen Festlandsküste von den Niederlanden bis ins Skagerrak beobachtet. Hier lagen die Temperaturen um 3 °C über dem langjährigen Durchschnitt.

    Die Sonneneinstrahlung und die milden Winde in den lang andauernden Hochdruckwetterlagen in Ost- und Mitteleuropa, verbunden mit Tiefdruckgebieten über Westeuropa, haben in Sommer und Herbst für reichlich Wärmezufuhr in den Nordseeraum gesorgt. Vergleicht man die diesjährigen Oberflächentemperaturen des Novembers mit den Werten der letzten 40 Jahre, so setzt sich der Trend zu immer höheren Wassertemperaturen im Herbst fort.

    Damit die Mitteltemperatur für 2014 hinter der im Jahr 2003 erreichten Rekordtemperatur von 11,0 °C zurückbliebe, müsste sich die Nordsee im Dezember um fast 8 °C abkühlen. Die bislang extremste Abkühlung in diesem Monat betrug aber lediglich 2,9 °C im Dezember 2010, so dass die Nordseetemperatur im Jahr 2014 einen neuen Höchststand erreichen wird.

    Das BSH ist Partner für Seeschifffahrt, Umweltschutz und Meeresnutzung, der Seeschifffahrt und maritime Wirtschaft unterstützt, Sicherheit und Umweltschutz stärkt, nachhaltige Meeresnutzung fördert, Kontinuität von Messungen gewährleistet und über den Zustand von Nord- und Ostsee kompetent Auskunft gibt. Das BSH mit Dienstsitz in Hamburg und Rostock ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur.
    http://www.bsh.de

  • Antarktis: Wärme kommt aus der Tiefe

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    Antarktis: Wärme kommt aus der Tiefe

    - Wissenschaftler belegen steigende Temperaturen auf dem westantarktischen Schelf -

    Die Wassertemperaturen auf dem westantarktischen Schelf steigen. Grund dafür ist vor allem warmes Wasser aus größeren Tiefen, das im Zuge globaler Veränderungen jetzt vermehrt auf die flachen Schelfmeere gelangt. Dort könnte es von unten die Gletscherschmelze beschleunigen und noch mehr große Gletscher ins Rutschen bringen. Das zeigen Daten, die Wissenschaftler des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel zusammen mit Kollegen aus Großbritannien, den USA und Japan jetzt in der internationalen Fachzeitschrift Science veröffentlichen.

    Das antarktische Eis ist ein gigantischer Wasserspeicher. Auf dem Südkontinent liegt eine durchschnittlich 2100 Meter dicke Eisdecke, die etwa 70 Prozent des weltweiten Süßwassers beinhaltet. Würden diese Wassermassen komplett freigesetzt, könnten sie den Meeresspiegel um über 60 Meter ansteigen lassen. Kein Wunder, dass Wissenschaftler Veränderungen in der Antarktis aufmerksam beobachten. In dem internationalen Wissenschaftsjournal Science veröffentlichen Forscher aus Deutschland, Großbritannien, den USA und Japan jetzt Daten, die nahelegen, dass vor allem in der Westantarktis die Wassertemperaturen auf den flachen Schelfmeeren steigen. „Dort liegen viele große Gletscher. Die erhöhten Temperaturen haben das Abtauen und Abrutschen dieser Gletscher in den letzten Jahrzehnten beschleunigt und es ist nicht abzusehen, dass dieser Trend nachlässt“, sagt der Erstautor der Studie Dr. Sunke Schmidtko vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

    Für ihre Studie haben er und Kollegen von der University of East Anglia, vom California Institute of Technology sowie von der Universität Hokkaido (Japan) alle ozeanographischen Daten aus den Gewässern rund um die Antarktis zwischen 1960 und 2014 ausgewertet, die in öffentlichen Datenbanken verfügbar waren. Diese Daten zeigen, dass schon zu Beginn der Messungen die Wassermassen in den westantarktischen Schelfmeeren etwas wärmer waren, als zum Beispiel im Weddellmeer. Doch der Temperaturunterschied ist nicht konstant. Seit 1960 steigen die Temperaturen in der westantarktischen Amundsensee und der Bellingshausensee weiter an. „Anhand der Daten konnten wir sehen, dass dieser Prozess von außen verstärkt wird“, sagt Dr. Schmidtko.

    Entlang des Kontinentalhangs vor den flachen Schelfmeeren befinden sich rund um die Antarktis in größeren Tiefen Wassermassen, die mit 0,5 bis 1,5 Grad Celsius für antarktische Verhältnisse sehr warm sind. „Diese Wassermassen haben sich in der Westantarktis im Laufe der vergangenen 50 Jahre erwärmt. Und sie liegen nicht mehr so tief wie noch vor 50 Jahren“, so Schmidtko. Speziell in der Amundsensee und der Bellingshausen-See schwappen sie mittlerweile verstärkt auf das Schelf und beschleunigen dort den Erwärmungsprozess.

    „Genau in diesen Regionen sind schon länger beschleunigte Gletscherschmelzen beobachtet worden. Wir zeigen, dass ozeanische Veränderungen der vergangenen 50 Jahre diesen Prozess wohl maßgeblich verursacht haben. Das vermehrte Eindringen von wärmeren Wassermassen über die Schelfkante wird mit großer Wahrscheinlichkeit diesen Prozess noch verstärken“, erklärt Co-Autorin Professor Karen Heywood von der University of East Anglia, „das hätte dann Auswirkungen auf die Geschwindigkeit des weltweiten Meeresspiegelanstiegs.“

    Die Wissenschaftler lenken die Aufmerksamkeit außerdem auf den Anstieg der warmen Wassermassen im südwestlichen Weddellmeer. Dort herrschen noch sehr kalte Temperaturen von weniger als minus 1,5 Grad Celsius auf dem Schelf vor. Ein größeres Abschmelzen der Eisschelfe ist bisher nicht beobachtet worden. Falls der Anstieg der warmen Wassermassen anhält, ist aber zu erwarten, dass es auch dort zu größeren Veränderungen mit dramatischen Folgen für das Filchner- und eventuell auch Rønne-Eisschelf kommt. So würden dann erstmals auch Gletscher von unten anschmelzen, die nicht zur westlichen Antarktis gehören. Auch sie könnten verstärkt abrutschen.

    In wie weit die vielfältige Biologie des südlichen Ozeans von den beobachteten Veränderungen beeinflusst wird, ist nicht abschließend geklärt. Die Schelfgebiete sind unter anderem Laichgebiete für den Antarktischen Krill, eine im Südozean weit verbreitete Garnelenart, welche im Antarktischen Nahrungskreislauf eine Schlüsselstellung einnimmt. So haben Forschungsergebnisse gezeigt, dass sich Laich-Zyklen unter wärmeren Bedingungen verändern. Eine abschließende Bewertung der Auswirkungen steht jedoch noch aus.

    Die genauen Ursachen für das weitere Erwärmen und Ansteigen der warmen Wassermassen konnten die Autoren noch nicht ausmachen. „Wir vermuten, dass sie mit großräumigen Veränderungen der Windsysteme über der Südhalbkugel zusammenhängen. Aber welche Prozesse im Einzelnen dabei eine Rolle spielen, muss in zukünftigen Studien noch genauer betrachtet werden“, erklärt Dr. Schmidtko.

    Originalarbeit:
    Schmidtko, S., K. J. Heywood, A. F. Thompson, S. Aokih (2014): Multi-decadal warming of Antarctic Waters. Science, http://dx.doi.org/10.1126/science.1256 ;

    Links:
    www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

  • Gefährliche Ölbohrung in der Adria

    Kroatienurlaub ade? Ölpest in der Adria

    Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) warnt vor der Gefahr einer massiven Ölpest in der kroatischen Adria. In nur wenigen Jahren sollen unzählige Ölplattformen und Gasförderanlagen in dem sensiblen Meeresgebiet errichtet werden. Eine Katastrophe, vergleichbar mit der Ölpest im Golf von Mexiko 2010, ist nach Ansicht der GRD nur eine Frage der Zeit.

    Die kroatische Regierung hat die Adria für die Vergabe von Bohrlizenzen in 29 unterschiedlich große Blöcke mit einer Gesamtgröße von knapp 37.000 km² aufgeteilt. Damit könnten bis zu 90 % der kroatischen Territorialgewässer für die Öl- und Gasföderung freigegeben werden, schätzt die Umweltorganisation "Sunce" aus Split.

    Deepwater Horizon bald auch in der Adria
    Der Mindestabstand der Bohrplattformen zur Küste wurde auf 10 km bzw. auf 6 km von der Außenlinie der Inseln festgelegt. Zum Vergleich: Die im Golf von Mexiko explodierte und untergegangene Deepwater Horizon bohrte in etwa 84 Kilometern Entfernung vor der Küste des US-Bundestaates Louisiana.

    "In Kroatien hat man nichts aus den Katastrophen der Vergangenheit gelernt", kritisiert der Biologe Ulrich Karlowski von der GRD. "Die Entscheidung der Regierung für eine großflächige Ausbeutung fossiler Ressourcen ist ein gewaltiger Schritt zurück in die Steinzeit der Energiepolitik. Statt auf regenerative Energien zu setzen, bauen Oligarchen und hochrangige Politiker auf das schnelle, schmutzige Geld mit dem „schwarzen Gold“ unter Einsatz einer Hochrisikotechnologie. Die Folgeschäden für Natur, Tourismus und Fischerei werden langfristig und größtenteils irreparabel sein".

    Zerstörung einer der ökologisch wertvollsten Regionen Europas ab 2015?
    Mit seinen mehr als 1.200 Inseln und fast 1.800 Kilometern Küstenlinie gehört die kroatische Adria zu einem der populärsten Urlaubsziele der Welt. Der Tourismus zählt zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen und trägt in großem Maße zum Bruttoinlandsprodukt bei. In den vielfach noch intakten Küstengewässern leben seltene und vom Aussterben bedrohte Tierarten wie die letzten Adria-Tümmler und Mittelmeermönchsrobben. Die Insel Cres ist einer der letzten Lebensräume des Gänsegeiers in Europa.

    Jetzt drohen der gesamten Küstenregion stinkende, ölverseuchte Küsten und Strände, die von verwesenden Meerestierkadavern übersät sind. Bereits im kommenden Jahr kann es so weit sein, dann sollen die ersten Probebohrlizenzen vergeben werden.

    Noch verhallen Proteste im Land
    Eine aus besorgten Bürgern gebildete Allianz, die Clean Adriatic Sea Alliance (CASA), hat an verschiedene Minister in Kroatien sowie EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker und Martin Schulz, den Präsidenten des EU-Parlaments, gerichtete Online-Petition gegen die Öl- und Gasförderung gestartet.

    Hands off - Die Adria darf nicht sterben!
    Die GRD unterstützt CASA und fordert jetzt mit ihrer Online-Petition Hands off - Die Adria darf nicht sterben! (auf change.org) dass die Adria langfristig von der Öl- und Gasförderung ausgenommen und vor der Gefahr einer Ölverseuchung geschützt wird.

    https://www.change.org/p/keine-%C3%B6lplattformen-in-der-adria

    Weitere Informationen:

    http://www.delphinschutz.org/projekte/rettung-der-letzten-adria-delfine/nachrichten-uebersicht/788-%C3%B6lpest-in-der-adria

  • Ostsee: Klimawandel unterläuft Schutzmaßnahmen

    Ostsee: Klimawandel unterläuft Schutzmaßnahmen

    - Erste umfassende Auswertung der Zeitserienstation Boknis Eck veröffentlicht -

    Trotz umfassender Maßnahmen zum Schutz der Ostsee seit Ende der 1980er Jahre nimmt die Sauerstoffarmut weiter zu. Steigende Temperaturen in den unteren Wasserschichten könnten die Erklärung dafür sein. Das ergab die erste umfassende Analyse von Messdaten an der Zeitserienstation Boknis Eck. Die Studie ist jetzt in der internationalen Fachzeitschrift Biogeosciences erschienen.

    Vor der Schleswig-Holsteinischen Ostseeküste am Ausgang der Eckernförder Bucht liegt ein Schatz. Es handelt sich allerdings nicht um Truhen voller Silber und Gold, sondern um einen einmaligen wissenschaftlichen Datensatz. Seit 1957 werden an der Zeitserienstation Boknis Eck monatlich Umweltparameter wie Sauerstoffgehalt und Temperatur des Wasser, Salzgehalt und Nährstoffkonzentrationen gemessen. „Damit ist Boknis Eck eine der ältesten, noch aktiven Zeitserienstationen für diese Daten weltweit“, erklärt der wissenschaftliche Koordinator Prof. Dr. Hermann Bange vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Bisher wurden die langen Messreihen allerdings nur partiell ausgewertet. Jetzt haben Bange und sein Team erstmals chemische, biologische und physikalische Daten über den gesamten Zeitraum seit 1957 analysiert. Ihr Ergebnis: Maßnahmen zum Schutz der Ostsee greifen – doch der generelle Klimawandel hebt ihre Wirkung teilweise wieder auf. Die Studie ist jetzt in der internationalen Fachzeitschrift Biogeosciences erschienen.

    Ein natürliches Grundproblem der Ostsee ist die Sauerstoffarmut in den tieferen Wasserschichten. Die Schichtung des Ostseewassers ist recht stabil, frisches salzhaltiges und sauerstoffreiches Wasser kann nur aus der Nordsee durch die dänischen Inseln hereinkommen. „Das sehen wir auch in Boknis Eck, ab etwa 20 Meter Wassertiefe“, erklärt. Sinikka Lennartz, M.Sc., vom GEOMAR und Erstautorin der neuen Studie. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert verschärfte sich das Problem massiv, weil die Anrainerstaaten große Mengen an landwirtschaftlichen Dünger und Abwässer einleiteten. „Das bedeutete ein Überangebot an Nährstoffen. Algen konnten sich stark vermehren. Sobald sie absterben und auf den Grund sinken, zersetzen Mikroorganismen die Biomasse. Dabei verbrauchen sie aber viel Sauerstoff, so dass sich große sauerstofffreie Zonen am Boden der Ostsee bildeten“, erklärt Lennartz.

    Mitte der 1980er Jahre einigten sich die Ostseeanrainer auf einen besseren Schutz des Meeres. Immer mehr Kläranlagen wurden gebaut, die Abwässer reinigen. Der Einsatz von Düngemittel in der Landwirtschaft ging zurück. „Den Trend können wir in Boknis Eck eindeutig nachweisen. Seit Ende der 80er Jahre geht die Konzentration an Nährstoffen zurück“, sagt Professor Bange. Die Hoffnung, dass damit auch wieder mehr Sauerstoff in den unteren Wasserschichten zur Verfügung stehen würde, erfüllt sich jedoch nicht. „Der Sauerstofftrend geht weiterhin deutlich nach unten“, erklärt Lennartz, „das heißt, wir sehen in Boknis Eck immer mehr Zeiten in denen unterhalb von 20 Metern kein Sauerstoff mehr messbar ist.“

    Eine mögliche Erklärung fanden die Wissenschaftler in den Wassertemperaturen. „An Boknis Eck sind sie im Spätsommer am Boden durchschnittlich um 0,4 Grad pro Jahrzehnt gestiegen. Höhere Temperaturen bedeuten aber auch einen effizienteren Abbau von Biomasse, wobei vermehrt Sauerstoff verbraucht wird“, betont Professor Bange. Die Daten legen also den Schluss nahe, dass der allgemeine Klimawandel mit steigenden Wassertemperaturen die Maßnahmen zum Schutz der Ostsee neutralisiert. „Trotzdem sollten die Anrainer in ihren Anstrengungen natürlich nicht nachlassen. Bei steigenden Temperaturen würde die Ostsee noch viel schneller umkippen, wenn wir wieder mehr Abwässer einleiten würden“, sagt der Meereschemiker Bange.

    Gleichzeitig beweist die Studie, wie wertvoll lange Messreihen wie die in Boknis Eck sind. „Um langfristige Trends in der Umwelt zu erkennen und menschengemachte Veränderungen von natürlichen Schwankungen unterscheiden zu können, reichen kurzfristige Messkampagnen nicht aus. Deshalb haben wir mit den Boknis Eck-Daten wirklich einen Schatz, der auch für globale Vergleiche unersetzlich ist“, betont Bange.

    Originalarbeit:
    Lennartz, S. T., A. Lehmann, J. Herrford, F. Malien, H.-P. Hansen, H. Biester, H. W. Bange (2014): Long-term trends at the Boknis Eck time series station (Baltic Sea), 1957–2013: does climate change counteract the decline in eutrophication? Biogeosciences, 11, 6323-6339, 2014, http://www.biogeosciences.net/11/6323/2014/bg-11-6323-2014.html
    Weitere Informationen:

    http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

  • 125 Organisationen drängen EU-Minister, die Überfischung zu beenden

    125 Organisationen fordern die für Fischerei verantwortlichen Minister auf, die Überfischung im Einklang mit der reformierten Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP)zu beenden.

    Die EU-Minister werden sich am 15. und 16. Dezember in Brüssel treffen, um die Fanggrenzen für Fischbestände im Atlantik und den angrenzenden Gewässern im nächsten Jahr festzulegen. Derzeit sind mehr als 40 Prozent der untersuchten Bestände in diesen Gewässern überfischt.

    In den letzten Monaten haben die Fischereiminister Fangmöglichkeiten für die Ost- und Tiefsee festgesetzt, die die wissenschaftlichen Empfehlungen ignorierten und so die Überfischung unnötig verlängern.

    Die GFP gibt jedoch vor, die Überfischung bis 2015 zu beenden, und diese Frist nur dann zu verschieben, wenn Belege dafür vorliegen, dass die soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit der betroffenen Fischereiflotten massiv durch die 2015 Frist gefährdet wäre. Zudem muss dargelegt werden, wie die fischereiliche Sterblichkeit schrittweise und so schnell wie möglich, spätestens jedoch bis 2020 auf ein nachhaltiges Niveau gesenkt werden kann.

    http://www.fundacioent.cat/images/stories/ENT/pdf/20141125_joint_letter_de.pdf

    Der Brief im Worlaut:

    Berlin, 26. November 2014

    An die für Fischerei zuständigen Minister und Ministerinnen der EU-Mitgliedsstaaten,
    am 15. und 16. Dezember werden Sie Fanggrenzen für Fischbestände im Atlantik und in angrenzenden Gewässern festlegen. Ihre Entscheidung wird auf der Grundlage der reformierten Gemeinsamen Fischereipolitik getroffen. Diese gibt vor, die Überfischung aller Fischbestände soweit möglich bis 2015 und schrittweise für alle Bestände bis spätestens 2020 zu beenden.

    Mehr als 40 Prozent aller untersuchten Bestände im Nordostatlantik und den angrenzenden Gewässer sind überfischt. Zudem hat sich in den vergangenen zwei Jahren die Differenz zwischen den festgelegten Fanggrenzen und den wissenschaftlich empfohlenen Fangmengen signifikant erhöht.

    Vor diesem Hintergrund stellen wir mit Bedauern fest, dass es der Ministerrat in seinen jüngsten Entscheidungen versäumt hat, die Überfischung der Bestände in der Ost- und Tiefsee zu beenden, ohne deutlich zu machen, warum die gesetzlich festgelegte Frist nicht eingehalten werden konnte. Wir bitten Sie daher dringend, die für 2015 gesetzte Frist für alle Fischbestände einzuhalten. Jede Verzögerung, die Überfischung zu beenden, führt nur dazu, dass die Umwelt weiter überlastet und das sozioökonomische Gleichgewicht des Fischereisektors noch länger gestört wird. Weniger Fisch bedeutet am Ende weniger Fischerei.

    Falls Sie ersuchen, die Frist zur Beendigung der Überfischung bis 2015 zu verlängern, müssen gemäß der Grundverordnung eindeutige Belege dafür vorliegen, dass die soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit der betroffenen Fischereiflotten durch den Beschluss, massiv gefährdet wäre.

    Zudem muss dargelegt werden, wie die fischereiliche Sterblichkeit schrittweise sobald wie möglich, spätestens jedoch bis 2020 auf ein nachhaltiges Niveau gesenkt werden kann. Nutzen Sie bitte die Möglichkeit, den Fortbestand gesunder Fischbestände und Meeresökosysteme zum Wohle heutiger und künftiger Generationen zu sichern. Eine große Anzahl von EU-Bürgern hat den Reformprozess der Gemeinsamen Fischereipolitik aktiv verfolgt und die Fischereiminister und Mitglieder des Europäischen Parlaments darin unterstützt, ambitionierte Ziele zur Beendigung der Überfischung zu vereinbaren. Diese Bürger erwarten nun mit Recht, dass sie diese Reform ohne Verzögerung umsetzen. Es ist an der Zeit, die Überfischung in der EU zum Wohle der Meeresumwelt, der Fischereiressourcen und der vom Fischfang abhängigen Regionen zu beenden.

    Hochachtungsvoll,

    1
    Verordnung (EU) Nr. 1380/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Dezember 2013 über die Gemeinsame
    Fischereipolitik, Art. 2.2, http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32013R1380&from=EN.
    2
    Siehe Europäische Kommission, „Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament und den Rat betreffend einer
    Konsultation zu den Fangmöglichkeiten für 2015 im Rahmen der Gemeinsamen Fischereipolitik“ (COM [2014] 388 final),
    http://www.ipex.eu/IPEXL-WEB/dossier/files/download/082dbcc54653729e0146d86489d74f83.do.
    3
    Verordnung (EU) Nr. 1380/2013 Präambel 7.

  • Der gefrorene Ozean - Mit FS POLARSTERN auf Winterexpedition in die Antarktis

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    Der gefrorene Ozean - Mit FS POLARSTERN auf Winterexpedition in die Antarktis

    von Peter Lemke, Stephanie von Neuhoff

    Im Winter ist das Südpolarmeer fast vollständig von Eis bedeckt. Kein Schiff wagt sich dann in diese Gegend. POLARSTERN, dem Forschungseisbrecher des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, gelang die Überwinterung in der Antarktis: Heftige Schneestürme, tagelanges Driften mit den Eisschollen, die Dunkelheit der Polarnacht und Temperaturen von bis zu -30° C. Das Buch nimmt die Leser mit auf eine atemberaubende Expedition, zeigt die Schönheit des gefrorenen Oze-ans und gibt einen tiefen Einblick in die Polarforschung und den Schiffsalltag.

    Für ihre Winterexpedition wählten die Forscher eine Route, die sie zuletzt vor 21 Jahren gemeistert hatten: Von Kapstadt Richtung Süden zur Antarktis und von dort nach Nordwesten zur Spitze der Antarktischen Halbinsel. Dank Kapitän Uwe Pahl und seiner Crew von der Reederei F. Laeisz kam das internationale Expeditionsteam sicher durch das Eismeer und erreichte nach über neun Wochen den Zielhafen Punta Arenas.

    Die Faszination und Kraft des gefrorenen Ozeans haben die Forscher in beeindruckenden Fotos festgehalten. Zusammen mit den fesselnden Texten über die Expedition und ihre wissenschaftlichen Ziele machen sie das Buch nicht nur zu einem spannenden, sondern auch zu einem visuellen Erlebnis.

    Zu den Autoren
    Peter Lemke ist als Professor für Physik von Atmosphäre und Ozean und Leiter des Fachbereichs Klimawissenschaften am Alfred-Wegener-Institut sowie Autor des IPCC-Berichtes seit Jahren in der Klimaforschung aktiv. Im Mai 2013 wurde er in den »Wis-senschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen« berufen. Acht Polarstern-Expeditionen haben ihn bisher in die Arktis und Antarktis geführt. An-fang Dezember wird er erneut zu einer Expedition in die Antarktis starten und dort auch über Weihnachten und Sylvester im Eis arbeiten. Stephanie von Neuhoff arbeitete als Redakteurin und Ressortleiterin für verschiedene Tageszeitungen. Seit über zwölf Jah-ren ist sie als freie Autorin tätig, überwiegend im Bereich der Meeres- und Polarfor-schung. Die Winterexpedition mit der POLARSTERN war ihre erste Forschungsreise in die Antarktis.

    Lust auf Eismeer bekommen? Hier der überaus sehenswerte Clip zum Buch !

    http://www.youtube.com/watch?v=DPjv9MxjyCE

    Peter Lemke, Stephanie von Neuhoff
    Der gefrorene Ozean
    Mit FS POLARSTERN auf Winterexpedition in die Antarktis
    Erscheinungstermin Oktober 2014
    240 Seiten • 26 x 24 cm
    zahlr. Farb-Abb. • geb. mit Schutzumschlag
    ISBN 978-3-7822-1210-6
    Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg

  • 210 million people benefit from mangroves-associated fisheries

    World Fisheries Day, 21st of November

    Some 210 million people live in low elevation areas within 10 km of mangroves and many of these directly benefit from mangrove-associated fisheries. Yet, these people are often unaware of the key role mangroves may play, especially if the associated fisheries are offshore.

    A new study by Wetlands International, The Nature Conservancy and the University of Cambridge, launched today at World Fisheries Day, concludes that mangrove conservation and restoration in areas close to human populations will render the greatest return on investment with respect to enhancing fisheries.

    The fisheries value of mangroves is site specific as it depends on how many fish a mangrove produces, how many fish are subsequently caught by humans, and then what the fisheries value is, both in economic terms, as a food supply or through the livelihoods that they support.

    As demands for fish continues to rise with the increase of coastal populations and rapidly growing economies, understanding where mangrove-associated fish productivity is highest is critical. Well-known species that rely on mangroves in one way or another include crabs, prawns, mullet, herring, anchovy, snappers and groupers.

    Fisheries value site specific

    The values of fisheries, which can be stated in simple catch statistics, in monetary terms, as a food supply or through the livelihoods that they support, are site specific. The study concludes that fish populations that rely on mangroves will be highest where mangrove biomass productivity is highest, as leaves and woody materials form a key part of the marine food chains.

    Fish productivity is also higher where there is high freshwater input from rivers and rainfall and where mangroves are in good condition. The total area of mangrove is clearly important in determining the total numbers of fish, but the length of the mangrove margin is also key, since generally it is the fringes of mangroves where fish populations are enhanced.

    Root structure of the mangrove belt

    Physical characteristics of mangroves, such as the dense tangle of aboveground roots, also enhance fisheries. Oysters grow on the roots, and theroots trap sediment thus creating soft soils ideal for molluscs and crustaceans to burrow in. The roots further provide shelter against predation. By providing food and shelter mangroves are perfect and safe nursery grounds for many species.

    Safeguarding mangroves in densely populated areas

    Fish catch will be highest close to areas of high human population density that provide the fishers and the markets for the catch. While these mangroves are generally under greater threat as a result of degradation, pollution and over-fishing, appropriate mangrove and fisheries management give the greatest value.

    Dr Mark Spalding, senior marine scientist at The Nature Conservancy said: “We conclude that mangrove conservation and restoration efforts in areas close to human populations will likely give the greatest return on investment for enhancing fisheries”.

    Dr. Femke Tonneijck, Wetlands International: “Many decision-makers and fishers are unaware of the key role mangrove forests may play in supporting fisheries, including offshore. We hope that the fuller understanding of this ecosystem service and its value in both social and economic terms will enhance the sustainable management of both mangroves and fisheries.”

    Download: The Role of Mangroves in Fisheries Enhancement
    http://www.wetlands.org/WatchRead/Currentpublications/tabid/56/Default.aspx

    Source:
    http://www.wetlands.org/News/tabid/66/ID/3972/PRESS-RELEASE-210-million-people-benefit-from-mangroves-associated-fisheries.aspx

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