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  • 125 Organisationen drängen EU-Minister, die Überfischung zu beenden

    125 Organisationen fordern die für Fischerei verantwortlichen Minister auf, die Überfischung im Einklang mit der reformierten Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP)zu beenden.

    Die EU-Minister werden sich am 15. und 16. Dezember in Brüssel treffen, um die Fanggrenzen für Fischbestände im Atlantik und den angrenzenden Gewässern im nächsten Jahr festzulegen. Derzeit sind mehr als 40 Prozent der untersuchten Bestände in diesen Gewässern überfischt.

    In den letzten Monaten haben die Fischereiminister Fangmöglichkeiten für die Ost- und Tiefsee festgesetzt, die die wissenschaftlichen Empfehlungen ignorierten und so die Überfischung unnötig verlängern.

    Die GFP gibt jedoch vor, die Überfischung bis 2015 zu beenden, und diese Frist nur dann zu verschieben, wenn Belege dafür vorliegen, dass die soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit der betroffenen Fischereiflotten massiv durch die 2015 Frist gefährdet wäre. Zudem muss dargelegt werden, wie die fischereiliche Sterblichkeit schrittweise und so schnell wie möglich, spätestens jedoch bis 2020 auf ein nachhaltiges Niveau gesenkt werden kann.

    http://www.fundacioent.cat/images/stories/ENT/pdf/20141125_joint_letter_de.pdf

    Der Brief im Worlaut:

    Berlin, 26. November 2014

    An die für Fischerei zuständigen Minister und Ministerinnen der EU-Mitgliedsstaaten,
    am 15. und 16. Dezember werden Sie Fanggrenzen für Fischbestände im Atlantik und in angrenzenden Gewässern festlegen. Ihre Entscheidung wird auf der Grundlage der reformierten Gemeinsamen Fischereipolitik getroffen. Diese gibt vor, die Überfischung aller Fischbestände soweit möglich bis 2015 und schrittweise für alle Bestände bis spätestens 2020 zu beenden.

    Mehr als 40 Prozent aller untersuchten Bestände im Nordostatlantik und den angrenzenden Gewässer sind überfischt. Zudem hat sich in den vergangenen zwei Jahren die Differenz zwischen den festgelegten Fanggrenzen und den wissenschaftlich empfohlenen Fangmengen signifikant erhöht.

    Vor diesem Hintergrund stellen wir mit Bedauern fest, dass es der Ministerrat in seinen jüngsten Entscheidungen versäumt hat, die Überfischung der Bestände in der Ost- und Tiefsee zu beenden, ohne deutlich zu machen, warum die gesetzlich festgelegte Frist nicht eingehalten werden konnte. Wir bitten Sie daher dringend, die für 2015 gesetzte Frist für alle Fischbestände einzuhalten. Jede Verzögerung, die Überfischung zu beenden, führt nur dazu, dass die Umwelt weiter überlastet und das sozioökonomische Gleichgewicht des Fischereisektors noch länger gestört wird. Weniger Fisch bedeutet am Ende weniger Fischerei.

    Falls Sie ersuchen, die Frist zur Beendigung der Überfischung bis 2015 zu verlängern, müssen gemäß der Grundverordnung eindeutige Belege dafür vorliegen, dass die soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit der betroffenen Fischereiflotten durch den Beschluss, massiv gefährdet wäre.

    Zudem muss dargelegt werden, wie die fischereiliche Sterblichkeit schrittweise sobald wie möglich, spätestens jedoch bis 2020 auf ein nachhaltiges Niveau gesenkt werden kann. Nutzen Sie bitte die Möglichkeit, den Fortbestand gesunder Fischbestände und Meeresökosysteme zum Wohle heutiger und künftiger Generationen zu sichern. Eine große Anzahl von EU-Bürgern hat den Reformprozess der Gemeinsamen Fischereipolitik aktiv verfolgt und die Fischereiminister und Mitglieder des Europäischen Parlaments darin unterstützt, ambitionierte Ziele zur Beendigung der Überfischung zu vereinbaren. Diese Bürger erwarten nun mit Recht, dass sie diese Reform ohne Verzögerung umsetzen. Es ist an der Zeit, die Überfischung in der EU zum Wohle der Meeresumwelt, der Fischereiressourcen und der vom Fischfang abhängigen Regionen zu beenden.

    Hochachtungsvoll,

    1
    Verordnung (EU) Nr. 1380/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Dezember 2013 über die Gemeinsame
    Fischereipolitik, Art. 2.2, http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32013R1380&from=EN.
    2
    Siehe Europäische Kommission, „Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament und den Rat betreffend einer
    Konsultation zu den Fangmöglichkeiten für 2015 im Rahmen der Gemeinsamen Fischereipolitik“ (COM [2014] 388 final),
    http://www.ipex.eu/IPEXL-WEB/dossier/files/download/082dbcc54653729e0146d86489d74f83.do.
    3
    Verordnung (EU) Nr. 1380/2013 Präambel 7.

  • Der gefrorene Ozean - Mit FS POLARSTERN auf Winterexpedition in die Antarktis

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    Der gefrorene Ozean - Mit FS POLARSTERN auf Winterexpedition in die Antarktis

    von Peter Lemke, Stephanie von Neuhoff

    Im Winter ist das Südpolarmeer fast vollständig von Eis bedeckt. Kein Schiff wagt sich dann in diese Gegend. POLARSTERN, dem Forschungseisbrecher des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, gelang die Überwinterung in der Antarktis: Heftige Schneestürme, tagelanges Driften mit den Eisschollen, die Dunkelheit der Polarnacht und Temperaturen von bis zu -30° C. Das Buch nimmt die Leser mit auf eine atemberaubende Expedition, zeigt die Schönheit des gefrorenen Oze-ans und gibt einen tiefen Einblick in die Polarforschung und den Schiffsalltag.

    Für ihre Winterexpedition wählten die Forscher eine Route, die sie zuletzt vor 21 Jahren gemeistert hatten: Von Kapstadt Richtung Süden zur Antarktis und von dort nach Nordwesten zur Spitze der Antarktischen Halbinsel. Dank Kapitän Uwe Pahl und seiner Crew von der Reederei F. Laeisz kam das internationale Expeditionsteam sicher durch das Eismeer und erreichte nach über neun Wochen den Zielhafen Punta Arenas.

    Die Faszination und Kraft des gefrorenen Ozeans haben die Forscher in beeindruckenden Fotos festgehalten. Zusammen mit den fesselnden Texten über die Expedition und ihre wissenschaftlichen Ziele machen sie das Buch nicht nur zu einem spannenden, sondern auch zu einem visuellen Erlebnis.

    Zu den Autoren
    Peter Lemke ist als Professor für Physik von Atmosphäre und Ozean und Leiter des Fachbereichs Klimawissenschaften am Alfred-Wegener-Institut sowie Autor des IPCC-Berichtes seit Jahren in der Klimaforschung aktiv. Im Mai 2013 wurde er in den »Wis-senschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen« berufen. Acht Polarstern-Expeditionen haben ihn bisher in die Arktis und Antarktis geführt. An-fang Dezember wird er erneut zu einer Expedition in die Antarktis starten und dort auch über Weihnachten und Sylvester im Eis arbeiten. Stephanie von Neuhoff arbeitete als Redakteurin und Ressortleiterin für verschiedene Tageszeitungen. Seit über zwölf Jah-ren ist sie als freie Autorin tätig, überwiegend im Bereich der Meeres- und Polarfor-schung. Die Winterexpedition mit der POLARSTERN war ihre erste Forschungsreise in die Antarktis.

    Lust auf Eismeer bekommen? Hier der überaus sehenswerte Clip zum Buch !

    http://www.youtube.com/watch?v=DPjv9MxjyCE

    Peter Lemke, Stephanie von Neuhoff
    Der gefrorene Ozean
    Mit FS POLARSTERN auf Winterexpedition in die Antarktis
    Erscheinungstermin Oktober 2014
    240 Seiten • 26 x 24 cm
    zahlr. Farb-Abb. • geb. mit Schutzumschlag
    ISBN 978-3-7822-1210-6
    Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg

  • 210 million people benefit from mangroves-associated fisheries

    World Fisheries Day, 21st of November

    Some 210 million people live in low elevation areas within 10 km of mangroves and many of these directly benefit from mangrove-associated fisheries. Yet, these people are often unaware of the key role mangroves may play, especially if the associated fisheries are offshore.

    A new study by Wetlands International, The Nature Conservancy and the University of Cambridge, launched today at World Fisheries Day, concludes that mangrove conservation and restoration in areas close to human populations will render the greatest return on investment with respect to enhancing fisheries.

    The fisheries value of mangroves is site specific as it depends on how many fish a mangrove produces, how many fish are subsequently caught by humans, and then what the fisheries value is, both in economic terms, as a food supply or through the livelihoods that they support.

    As demands for fish continues to rise with the increase of coastal populations and rapidly growing economies, understanding where mangrove-associated fish productivity is highest is critical. Well-known species that rely on mangroves in one way or another include crabs, prawns, mullet, herring, anchovy, snappers and groupers.

    Fisheries value site specific

    The values of fisheries, which can be stated in simple catch statistics, in monetary terms, as a food supply or through the livelihoods that they support, are site specific. The study concludes that fish populations that rely on mangroves will be highest where mangrove biomass productivity is highest, as leaves and woody materials form a key part of the marine food chains.

    Fish productivity is also higher where there is high freshwater input from rivers and rainfall and where mangroves are in good condition. The total area of mangrove is clearly important in determining the total numbers of fish, but the length of the mangrove margin is also key, since generally it is the fringes of mangroves where fish populations are enhanced.

    Root structure of the mangrove belt

    Physical characteristics of mangroves, such as the dense tangle of aboveground roots, also enhance fisheries. Oysters grow on the roots, and theroots trap sediment thus creating soft soils ideal for molluscs and crustaceans to burrow in. The roots further provide shelter against predation. By providing food and shelter mangroves are perfect and safe nursery grounds for many species.

    Safeguarding mangroves in densely populated areas

    Fish catch will be highest close to areas of high human population density that provide the fishers and the markets for the catch. While these mangroves are generally under greater threat as a result of degradation, pollution and over-fishing, appropriate mangrove and fisheries management give the greatest value.

    Dr Mark Spalding, senior marine scientist at The Nature Conservancy said: “We conclude that mangrove conservation and restoration efforts in areas close to human populations will likely give the greatest return on investment for enhancing fisheries”.

    Dr. Femke Tonneijck, Wetlands International: “Many decision-makers and fishers are unaware of the key role mangrove forests may play in supporting fisheries, including offshore. We hope that the fuller understanding of this ecosystem service and its value in both social and economic terms will enhance the sustainable management of both mangroves and fisheries.”

    Download: The Role of Mangroves in Fisheries Enhancement
    http://www.wetlands.org/WatchRead/Currentpublications/tabid/56/Default.aspx

    Source:
    http://www.wetlands.org/News/tabid/66/ID/3972/PRESS-RELEASE-210-million-people-benefit-from-mangroves-associated-fisheries.aspx

  • Neues Forschungsschiff Sonne in Hamburg

    FS SonneFS SonneFS Sonne

    Hamburg begrüßt die neue SONNE

    Open Ship auf dem Tiefseeforschungsschiff SONNE

    Das neu gebaute Forschungsschiff SONNE ist zu Gast in Hamburg und lädt
    Interessierte ein, einen Blick hinter die Kulissen eines hochmodernen
    Forschungsschiffs zu werfen beim

    Open Ship
    am Freitag, 21.11., und Samstag, 22.11., 10 bis 16 Uhr, letzter Einlass
    15.30 Uhr,
    Hamburger Überseebrücke (bei der CAP SAN DIEGO).

    Ausstellung: ein ganzes Deck voll Wissen

    Anhand von Forschungsgeräten, Filmen und interaktiven Medien erfahren
    Besucher in einer Ausstellung, wie Meeresforscher arbeiten. Themen sind
    unter anderem Klima und Meer, Meeresbodenerkundung, Biodiversität in der
    Tiefsee und Naturgefahren. Bei einem Rundgang können auch die Brücke, das
    Arbeitsdeck und der Hangar besichtigt werden. Der Besuch der SONNE ist Teil
    einer zweiwöchigen Vorstellungsreise mit Stationen in Wilhelmshaven, Bremen,
    Hamburg, Warnemünde und Kiel.

    Meeresforschung in unbekannten Tiefen

    "Das neue Tiefseeforschungsschiff SONNE ermöglicht der deutschen
    Meeresforschung bisher nicht dagewesene Einblicke in das Klimaarchiv des
    Meeresbodens. Wir werden außerdem mögliche Gefahren durch Erdbeben, Vulkane
    und dadurch ausgelöste Tsunamis sehr viel besser verstehen lernen", erklärt
    Christian Hübscher, Professor für Geophysik am Centrum für
    Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit der Universität Hamburg. An Bord
    befinden sich Forschungswinden mit Drahtlängen von bis zu 12.000 Metern.
    Damit können wir Bodenproben von den tiefsten Punkten der Weltmeere nehmen.
    Eine weitere Besonderheit ist das 16 mal 8 Meter große Echolot am
    Schiffsrumpf, mit dem der Meeresboden mit einer bisher nicht gekannten
    Detailtreue vermessen werden kann. Die schwimmende Stadt ist dafür
    ausgelegt, 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bis zu fünfzig Tage
    zu beherbergen neben einer 35-köpfigen seemännischen Besatzung. Während
    der Jungfernfahrt des FS SONNE erforschen Prof. Angelika Brandt vom
    Zoologischen Institut der Universität Hamburg mit ihrem Team sowie Kollegen
    des Kieler Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung GEOMAR eine der größten
    tektonischen Bruchzonen des Atlantiks. Sie gehen der Frage nach, ob der
    Mittelatlantische Rücken als Unterwasser-Gebirge im Atlantik eine natürliche
    Grenze für die noch wenig erforschten Lebewesen am Meeresboden darstellt.

    Universität Hamburg koordiniert Forschungsreisen

    Die Leitstelle Deutsche Forschungsschiffe an der Universität Hamburg hat
    den Auftrag bekommen, das Schiff zu managen, freut sich der Leiter Prof.
    Detlef Quadfasel. Die Leitstelle koordiniert neben der neuen SONNE bereits
    die Forschungsschiffe MARIA S. MERIAN und METEOR. Wir waren von Anfang an
    bei den Planungen zur SONNE beteiligt. Nun freue ich mich, dass dieses
    Schmuckstück in der Flotte der deutschen Forschungsschiffe Anfang Dezember
    seine erste große Fahrt antritt. Die neue SONNE wird überwiegend im Pazifik
    und Indischen Ozean unterwegs sein. Sie löst das 36 Jahre alte
    Forschungsschiff gleichen Namens ab.

    http://www.ldf.uni-hamburg.de/de/sonne.html

  • Mangrove experts statement for the 2014 World Parks Congress: Mangroves: Protect, Restore, Expand.

    Mangrove Specialist Group statement for the 2014 World Parks Congress: Mangroves: Protect, Restore, Expand.

    The recently established IUCN SSC Mangrove Specialist Group, aims to support mangrove research and conservation projects by bringing together experts in the field to share their knowledge. Hosted by the Zoological Society of London (ZSL), the group aims to; assess the conservation status of mangroves; identify, quantify and prioritise threats; and develop plans to conserve the most threatened species and habitats.

    IUCN Mangrove Specialist Group Statement for 2014 World Parks Congress: Mangroves: Protect, Restore, Expand

    Mangrove ecosystems are one of the most undervalued ecosystems on earth. These remarkable forests are immensely important to coastal communities, providing a source of food and resources, protecting coastlines, preventing soil erosion as well as providing a global benefit in regulating our climate. Yet mangroves are also among the most threatened ecosystems globally and they continue to be cleared and degraded at an alarming rate. The three main drivers of mangrove destruction and loss are population growth, economic development, and demand for cultivated seafood.

    The IUCN Mangrove Specialist Group, comprising of international experts in mangrove research and conservation, is working to a) assess the conservation status of mangrove systems; b) identify, quantify and prioritise threats; c) conserve the most threatened species and habitats; and d) disseminate best practices and share successful approaches for mangrove conservation, restoration and sustainable use. We recognise that protected areas are a vital tool for conserving mangroves, as part of the wider Global Action Plan under development by our group.

    http://www.zsl.org/iucn-ssc-mangrove-specialist-group

  • Eisendüngung könnte weniger Kohlendioxid in der Tiefsee speichern

    Südpolarmeer: Durch Eisendüngung könnte weniger Kohlendioxid in der Tiefsee gespeichert werden

    Eine neue Studie zur natürlichen Eisendüngung im Südpolarmeer zeigt, dass zusätzliches Eisen die Wirksamkeit der sogenannten biologischen Pumpe, die Kohlendioxid aus den oberen Wasserschichten in die Tiefsee transportiert, reduziert.

    Bremerhaven, 10. November 2014. Wie ein internationales Forscherteam um Dr. Ian Salter vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) herausfand, bedingt die Eisendüngung, dass sich neben Phytoplankton auch Kalkschalen bildende Meeresbewohner vermehren, welche sich von den Algen ernähren. Diese Tiere setzen Kohlendioxid frei, wenn sie ihre Kalkschalen bauen. Wachsen und sterben diese Lebewesen in einem Meeresgebiet mit einem hohen natürlichen Eiseneintrag, werden dort bis zu 30 Prozent weniger Kohlendioxid in die Tiefsee verfrachtet als bisher angenommen. Ein wichtiger Effekt: Wird er ignoriert, hieße das, man überschätzt, wie viel Kohlendioxid der Ozean bei Eisendüngung speichern kann. Die Studie erscheint heute im Fachmagazin nature geoscience.

    Zwischen dem Ozean und der Atmosphäre herrscht ein reger Austausch des Treibhausgases Kohlendioxid. Eine wichtige Rolle spielt hierbei das Phytoplankton, denn die Algen entziehen den oberen Wasserschichten Kohlendioxid. Stirbt das Phytoplankton, kann es bis auf den Meeresgrund sinken und dort einen Teil des Treibhausgases ablagern, den es zuvor durch Photosynthese gebunden hatte. Diesen Prozess nennen Wissenschaftler die biologische Kohlenstoffpumpe.

    Obwohl die Wassermassen des Südpolarmeeres gemeinhin als nährstoffreich gelten, gedeiht das Phytoplankton in großen Bereichen des Südlichen Ozeans nur spärlich. Der Grund: Das Wasser enthält zu wenig Eisen, als dass Algen großflächig wachsen könnten.
    Im Zuge des Klimawandels wird deshalb häufig die Idee diskutiert, das Südpolarmeer mit Eisen zu düngen. Mit diesem Vorschlag verbindet sich zum einen die Hoffnung, dass dadurch mehr Phytoplankton wächst und somit die biologische Kohlenstoffpumpe angeregt wird. Zum anderen glauben einige Wissenschaftler, damit erklären zu können, wie sich der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre in der Vergangenheit verändert hat.

    Zwei Studien aus den zurückliegenden fünf Jahren haben diese Annahme untermauert. Forscher konnten darin nachweisen, dass infolge einer Düngung des Südpolarmeeres mit Eisen mehr Kohlendioxid zum Meeresgrund gesunken ist. Aber: „Die bisher gemachten Untersuchungen reichen nicht aus, um zu verstehen, welche Mengen Kohlenstoff unter dem Strich wirklich gebunden werden. Der vom Phytoplankton verfrachtete organische Kohlenstoff stellt nämlich nur ein Kapitel einer ausgesprochen komplexen Geschichte dar“, sagt der AWI-Forscher Dr. Ian Salter. „Das Phytoplankton dient auch als Nahrungsquelle für bestimmte Zooplanktonarten wie Foraminiferen und Flügelschnecken, die Kalkschalen bauen – ein Prozess, bei dem die Tiere Kohlendioxid freisetzen.“

    Der AWI-Wissenschaftler und seine Kollegen waren die ersten Wissenschaftler, die den Tiefsee-Export der Kalkschalen in einem natürlich gedüngten Gebiet erforscht haben. Dazu führten sie Untersuchungen im Meer vor der Küste der Crozetinseln durch. An dieser südöstlich von Afrika gelegenen vulkanischen Inselgruppe gelangt auf natürliche Art und Weise Eisen in den Ozean – und das mit überraschenden Folgen: Die natürliche Eisendüngung bewirkt, dass am Ende mehr Kalkschalen in die Tiefsee gelangen als abgestorbenes Phytoplankton. Ein Prozess, der tiefgreifende Auswirkungen darauf hat, wie viel Kohlendioxid der Ozean bei verstärktem Algenwachstum speichern kann.

    „Wenn diese Kalkschalen entstehen und zum Meeresgrund sinken, beeinflussen sie den Kohlendioxid-Haushalt der obersten Wasserschichten für Hunderte bis Tausende von Jahren. Unsere Untersuchungen lassen vermuten, dass der durch das Eisen angeregte Export der Kalkschalen dazu führt, dass in einer natürlich gedüngten Meeresregion zehn bis 30 Prozent weniger Kohlendioxid gespeichert wird als bisher angenommen. Wir wissen allerdings nicht, ob dies auch der Fall wäre, wenn ein Gebiet künstlich mit Eisen gedüngt wird“, erklärt Dr. Ian Salter.

    Interessanterweise stellten die Forscher bei ihren Untersuchungen außerdem fest, dass der gestiegene Export von Kalkschalen nicht nur auf die größere Anzahl kalkbildender Organismen zurückzuführen ist. „In unseren Proben aus den Sedimentfallen haben wir vermehrt Arten gefunden, die größere Kalkschalen bauen und somit jeweils auch mehr Kohlendioxid freisetzen“, erklärt der Biogeochemiker. Eisendüngung wirkt sich somit auch auf die Artenzusammensetzung eines Lebensraumes aus. Damit löst sie eine Kettenreaktion aus, die schließlich das Klima beeinflussen kann. „Es ist allerdings wichtig zu beachten, dass sich unsere Ergebnisse nur auf eine bestimmte Region im Südpolarmeer beziehen. Die Effekte der kalkbildenden Organismen können sehr unterschiedlich sein, je nachdem um welche Art es sich handelt und wo im Ozean sie leben“, sagt Dr. Ian Salter.

    In Folgeprojekten will Dr. Ian Salter nun den Transport von Phytoplankton und Kalkschalen bildenden Organismen in weiteren, natürlich gedüngten Meeresgebieten untersuchen – zum Beispiel rund um die Inselgruppen der Kerguelen und Südgeorgien sowie im Arktischen Ozean, wo sich das zurückgehende Meereis zusätzlich auf die biologische Kohlenstoffpumpe auswirken könnte.

    Hinweise für Redaktionen: Das Paper erscheint am 10. November 2014 mit dem Originaltitel „Carbonate counter pump stimulated by natural iron fertilization in the Polar Frontal Zone“ im Fachmagazin nature geoscience. DOI: 10.1038/ngeo2285. Bitte nennen Sie nature geoscience als Quelle.

    http://www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/pressemitteilungen/detail/item/new_study_reveals_iron_fertilization_of_the_southern_ocean_might_be_less_efficient_for_deep_ocean_c/?cHash=894937c09f05b172d96082c7356738ad

  • EU Ministers Allow Continued Overfishing of Deep-Sea Fish Stocks

    EU Ministers Allow Continued Overfishing of Deep-Sea Fish Stocks

    The European Union’s Council of Fisheries Ministers on Nov. 10 agreed to 2015 and 2016 fishing limits for deep-sea fish stocks that exceed the levels recommended by the scientific advice. In setting the total allowable catches (TACs) for EU vessels, the 28 member state ministers responsible for fisheries also did not follow the recently reformed Common Fisheries Policy (CFP). A fundamental element of the CFP is a requirement to end overfishing by 2015 where possible and by 2020 at the latest.

    “Ministers responsible for fisheries have disregarded a key component of the new Common Fisheries Policy by deciding to continue the overfishing of vulnerable deep-sea fish stocks in 2015 and 2016,” said Uta Bellion, director of The Pew Charitable Trusts’ European marine programme. “The policy allows exceptions to efforts to end overfishing in 2015 only where there is evidence that such steps would seriously jeopardise the social and economic sustainability of the fishing fleets involved. No such evidence was presented today.”

    The European Commission had recommended fishing limits for most deep-sea stocks that were in line with scientific advice and the reformed CFP. Where it did not, ministers had the option of deciding on more precautionary limits. Instead, they set fishing levels higher than the advice for the majority of TACs.

    Deep-sea fish species are particularly vulnerable to overfishing because they generally live longer, grow more slowly, mature later, and spawn fewer young than many other fish species. In addition, a number of deep-sea stocks in the north-eastern Atlantic Ocean have already been significantly depleted.

    “The ministers’ decision demonstrates a disregard for both the marine environment and those fishermen who rely upon it for their livelihoods. We urge ministers to make sustainable choices for both when deciding on fishing limits for the majority of EU stocks at their next meeting in December,” Bellion said.

    Since January, fisheries ministers have been considering a proposal from the European Commission for a regulation in north-east Atlantic waters that would require strict catch limits on deep-sea species, environmental impact assessments before fishing, and a phasing out of the most destructive fishing practices, such as deep-sea bottom trawling. Until a regulation with these elements is adopted, setting TACs for deep-sea species will not guarantee sustainable deep-sea fisheries.

    The deep sea is the area of the ocean lying below the outer edge of the continental shelf. Temperatures are low, and little or no light penetrates these waters. Nonetheless, deep-sea ecosystems are recognized to be high in biodiversity, with many fish species. Deep-sea species are exceptionally vulnerable to overexploitation, however, because they live in environments that are rarely disturbed and because they mature late and tend to live for many years.

    http://www.pewtrusts.org/en/about/news-room/news/2014/11/10/eu-ministers-allow-continued-overfishing-of-deep-sea-fish-stocks

  • Man Bites Shark - Sharks High on the Agenda at CMS COP11

    Man Bites Shark - Sharks High on the Agenda at CMS COP11

    In the run up to the eleventh meeting of the Conference of the Parties to the Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals (CMS COP11), the CMS Secretariat published an editorial highlighting the urgent need for global protection of sharks, noting that the shark-diving industry can be worth more than the shark-fishing industry.

    The piece also recounts the number of efforts undertaken thus far to protect sharks, such as the Wild Aid campaign to reduce demand for shark fin across Asia and the development of new marine protected areas. The submission emphasizes that successful shark protection requires effective coordinated international action, and references the development of a Memorandum of Understanding under the auspices of the Convention. It also underscores that the CMS COP11 representatives will discuss extending the list of shark listed species to include the great and scalloped hammerheads, the silky shark, thresher sharks, sawfish, and mobula rays.

    read more: http://biodiversity-l.iisd.org/news/sharks-high-on-the-agenda-at-cms-cop11/

    BONN – Sharks have long been portrayed as man-eaters, a menace to any swimmer brave (or foolish) enough to share the water with them. But this perception could not be further from reality. In fact, sharks are extremely vulnerable, and their dwindling populations – largely owing to human behaviour – urgently need global protection.

    To be sure, there have been many laudable shark-protection efforts in the last few years. A campaign spearheaded by the United States-based organization Wild Aid has contributed to a major decline in demand for shark fin across Asia. China, for example, has banned shark-fin soup, a traditional delicacy, at official government dinners and functions – a move that contributed to a 30% drop in shark-fin sales from last December to April. In the southern city of Guangzhou, the center of China’s shark-fin trade, vendors have reported an 82% decline in sales over the last two years.

    It should not be difficult to spur countries to take action to protect their shark populations, given that a shark’s economic value plummets when it is killed. A study by the Australian Marine Institute found that Palau’s shark-diving industry is worth far more than its shark-fishing industry. A single reef shark that frequents major dive sites in Palau is worth roughly $179,000 annually, or $1.9 million over its lifetime; the same shark would be worth about $108 dead.

    Similarly, the shark-diving industry has brought in an estimated $110 million annually to Thailand, $22 million to the Canary Islands, and a massive $800 million to the Bahamas over the last 20 years. It is not difficult to see why allowing fisherman to decimate these countries’ shark populations would be counter-productive.

    Developing protected areas and corridors for shark migration is also important. Last month, US President Barack Obama extended the maritime boundary of the Pacific Remote Islands Marine National Monument from 50 miles to the 200-mile limit, effectively merging the region’s national parks into one massive protected area, in which commercial fishing is prohibited.

    Similar protected areas have been created over the last couple of years in Palau, Micronesia, Indonesia, and the Maldives. But the new sanctuary in the Pacific – with an area equivalent in size to Texas, California, Montana, and Arizona combined – could be the largest such zone in the world.

    Though these measures are certainly positive steps, no country acting alone can ensure adequate protection of shark populations. After all, sharks are global wanderers; they have no regard for the boundaries of economic exclusion zones, protected areas, or countries’ territorial waters. Shark-protection efforts cannot truly be effective without coordinated international action.

    Such action must not only aim to protect shark populations directly; it must also address major threats to sharks, such as illegal trade, bycatch, and overfishing.

    Consider climate change. A recent study by the University of Lisbon’s Center for Oceanography reports that acidification from CO2 emissions could cause the global shark population to decline by as much as 40% by 2100. Add to that the more than 73 million individual sharks that are already lost annually, and the situation is clearly unsustainable.

    As it stands, there is no global treaty to protect sharks. But frameworks are in place for the development of international conservation measures. The Convention on Migratory Species, for example, has a track record of working with countries – as well as international organizations, NGOs, media, and the private sector – to spur coordinated action that meets international standards.

    The Convention’s memorandum of understanding on shark conservation, which lists seven endangered species, has attracted 35 signatories so far. Representatives from these countries will meet in Quito, Ecuador, to discuss extending the list to include the great and scalloped hammerheads, the silky shark, thresher sharks, sawfish, and mobula rays. Given how many shark species have been proposed, some have begun referring to the Convention’s Conference of the Parties as the “shark COP.”

    But proposals must give way to action. The threats facing sharks are well documented. It is time to launch concerted global efforts to protect some of the oldest, most vulnerable – and most valuable – species in our seas.
    http://www.cms.int/en/news/man-bites-shark

  • Global Efforts to Protect Southern Ocean Blocked by China and Russia

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    Global Efforts to Protect Southern Ocean Blocked by China and Russia

    International Commission Unable to Reach Consensus

    HOBART, 31 October 2014 – The Commission for the Conservation of Antarctic Marine Living Resources (CCAMLR) has again failed to agree to protect key areas in the Ross Sea and East Antarctica at its annual meeting in Hobart due to blocking by China and Russia. The partners of the Antarctic Ocean Alliance (AOA) said that this failure to reach consensus for the fourth time calls into question CCAMLR’s ability to deliver on its conservation commitments.

    Two proposals for the protection of the Ross Sea and East Antarctic coastal region were on the table at this week’s meeting, but final consensus from the 24 nations and the EU that make up CCAMLR membership was actively blocked by China and Russia.

    “It is appalling that while the majority of CCAMLR Members are more than ready to create significant marine protection in Antarctic waters, China and Russia have again blocked all efforts to negotiate a successful outcome,” said Mark Epstein, Executive Director of the Antarctic and Southern Ocean Coalition (ASOC). “We commend the efforts of the United States, New Zealand, Australia, the European Union and France during the last four years to promote solid Antarctic marine protected proposals in Antarctica, and we hope they continue to demand the urgent protection required for Southern Ocean ecosystems. Despite the continuing challenges, it has been encouraging to see the strong support for the MPAs from fishing countries like Korea and Norway, which we welcome.”

    “The question of whether CCAMLR can deliver on its conservation mandate is in very serious doubt after another disappointing failure at this year’s meeting,” said Richard Page, Greenpeace. “This year's failure denigrates the reputation of CCAMLR and is symptomatic of a dangerous global trend where geopolitical interests override any genuine efforts to protect the oceans for the sake of future generations."
    “Since 1959, Antarctica has been recognized as a special place for peace and science. It is regrettable that CCAMLR, faced with the objections from Russia and China, cannot live up to that promise,” said Andrea Kavanagh, who directs Pew’s efforts to protect penguins and the Southern Ocean. “Another year of inaction means another year that these near-pristine waters and their remarkable biodiversity are open to the threat of industrial fishing. The proposed designations would have ensured the long-term protection of many species, including penguins, seals and whales.”

    A joint US-NZ proposal to designate a Ross Sea MPA of 1.32 million km2 (with 1.25 million km2 area proposed as “no take”) was under consideration. The Ross Sea is often referred to as “The Last Ocean” due to its status as one of the most pristine oceans remaining on earth.

    Australia, France and the EU once again proposed an MPA to protect 1.2 million km2 of East Antarctic waters. Their proposal would allow for exploratory and research activities within the MPA if they are consistent with the maintenance of the MPA’s objectives.

    The Southern Ocean is home to more than 10,000 unique species including most of the world’s penguins, whales, seabirds, colossal squid and the remarkable Antarctic toothfish – the main target of fishing companies in the region. The Southern Ocean is a crucial area for scientific research, both for studying how intact marine ecosystems function and for determining the impacts of global climate change.

    More than 1.4 million people around the world have joined the global call for large-scale marine protection in Antarctica over the last three years and thousands have taken action through online petitions, social media and emails to key world leaders to call for protection.

    The Antarctic Ocean Alliance partners will continue to press the countries failing to support Southern Ocean marine protected areas and will attend the next CCAMLR meeting in Hobart in 2015 to ensure that CCAMLR delivers on its conservation commitments. The AOA has identified around 40% of the Southern Ocean that warrants protection.

  • Lophelia-Korallen der Tiefsee bilden Geschwisterriffe

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    Ein hellgelbes Gorgonenhaupt besucht das Riff aus Gorgonien und Steinkorallen. Foto: JAGO-Team, GEOMAR

    Riff-Baumeister mit Sinn für Harmonie

    Kaltwasserkorallen verbinden sich über Verwandtschaftsgrenzen hinweg

    Kaltwasserkorallen der Spezies Lophelia pertusa sind in der Lage, Skelett-Verbindungen mit genetisch fremden Artgenossen einzugehen. Auf Fahrten mit dem am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel stationierten Tauchboot JAGO entdeckten Wissenschaftler aus Schottland und Deutschland vor der Norwegischen Küste erstmals verschiedenfarbige Korallenzweige, die nahtlos zusammengewachsen waren. In ihrer Veröffentlichung in den „Scientific Reports“ erklären die Forscher, wie die Fähigkeit zur Verschmelzung die Stabilität der Korallenriffe unterstützt und somit zum Erfolg der Korallen als Riff-Baumeister der Tiefsee beiträgt.

    Sie leben in den kalten, dunklen Tiefen der Meere, sind häufig starken Strömungen ausgesetzt und liefern eine stabile Basis für artenreiche und farbenfrohe Ökosysteme: Steinkorallen der Art Lophelia pertusa gelten als hervorragende Riff-Baumeister. Nach den neuesten Erkenntnissen von Forschern der Heriot-Watt Universität Edinburgh, des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, der Universität Glasgow und des United States Geological Survey verbinden sogar genetisch unterschiedliche Individuen ihre Skelette miteinander. Erste Beobachtungen hierzu machten die Wissenschaftler auf einer Expedition mit dem Tauchboot JAGO und dem Forschungsschiff POSEIDON vor der Küste Mittelnorwegens im September 2011. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt in den „Scientific Reports“.

    „Auf unseren Tauchgängen mit JAGO fanden wir Riffe, in denen der orangefarbene und der weiße Typ der Koralle miteinander verschmolzen zu sein schienen“, berichtet Dr. Sebastian Hennige von der Heriot-Watt Universität Edinburgh. „Dieser Anblick fiel mir sofort auf, und wir haben direkt einige Proben für genetische Tests und Skelett-Analysen genommen. Damit konnten wir später beweisen, dass sich tatsächlich Individuen einer Art verbunden hatten, die keine Geschwister sind.“ Aufgrund seiner Erkenntnisse geht Hennige davon aus, dass Lophelia pertusa Vertreter ihrer Art über Verwandtschaftsgrenzen hinweg erkennt.

    Bis jetzt wurde angenommen, dass die ausgedehnten Riffe von Geschwistern gebildet wurden. Sie sind jedoch ein Ergebnis der Fusion von genetisch unterschiedlichen Individuen – als ob zwei Menschen, die nah beieinander sitzen, ihre Skelette miteinander verbinden. Diese Fähigkeit unterscheidet Lophelia pertusa stark von tropischen Korallen. Tropische Riffe werden von Kalkalgen zusammengehalten, die die Kruste abgestorbener Zweige bevölkern. Diese Algen sind auf Tageslicht angewiesen. „Kaltwasserkorallen, die ihre Riffe ausschließlich im Dunkeln errichten, können nicht auf eine solche Unterstützung bauen. Sie scheinen aber einen anderen Weg gefunden zu haben, um Stabilität herzustellen,“ erläutert Dr. Armin Form, Meeresbiologe am GEOMAR und Co-Autor der Veröffentlichung. „Entweder die Korallen verschmelzen tatsächlich zu einem gemeinsamen Stock, oder ein Zweig überwächst den anderen, ohne dass der Partner dabei Schaden nimmt.“ Tropische Steinkorallen verhalten sich gegenüber ihren Nachbarn meistens deutlich aggressiver: Sie setzen chemische Stoffe frei, um Kontakt zu anderen Korallen zu verhindern. „Dieses Abwehrverhalten kostet allerdings viel Energie, die dann nicht mehr für andere Funktionen zur Verfügung steht“, so Dr. Form.

    „Unsere Entdeckung zeigt nicht nur, wie viel wir noch über die Ökosysteme der Tiefsee zu lernen haben. Sie belegt auch, wie wichtig der technologische Fortschritt ist“, betont Murray Roberts, Professor an der Heriot-Watt Universität Edinburgh. „Die Chance, die Riffe selbst mit dem Tauchboot JAGO zu erkunden, hat uns ganz neue Einblicke beschert und geholfen, die kostbaren Proben direkt mit aufs Schiff und weiter in unsere Labore zu bringen.“

    Lophelia pertusa hat im Laufe der Evolution Eigenschaften herausgebildet, mit deren Hilfe sich Energie sparen und die Stabilität im Riff stärken lässt. „Angesichts dieser Flexibilität hoffen wir, dass sie auch mit zukünftigen klimatischen Veränderungen zurechtkommt. Allerdings läuft der globale Wandel derartig schnell ab, dass es fraglich bleibt, ob die Korallen Schritt halten können“, sagt Dr. Armin Form.

    Originalveröffentlichung:
    Hennige, S.J., Morrison, C. L., Form, A. U., Büscher, J., Kamenos, N. A. and Roberts, J.M., 2014: Self-recognition in corals facilitates deep-sea habitat engineering. Sci. Rep. 4, 6782, doi:10.1038/srep06782.

    http://www.geomar.de/index.php?id=4&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=2141&tx_ttnews[backPid]=185

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