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  • Lässt sich Kohlendioxid sicher im Meeresboden speichern?

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    ROV KIEL 6000 nimmt eine Sedimentprobe am Boden der Nordsee. Foto: ROV-Team, GEOMAR

    Lässt sich Kohlendioxid sicher im Meeresboden speichern?

    Forschungsprojekt ECO2 präsentiert Ansatz für eine fundierte Risiken-Abschätzung

    26.05.2015/Kiel. Die Speicherung von Kohlendioxid im Meeresboden gilt im Rahmen einer Strategie zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (Carbon Capture and Storage, CCS) als Möglichkeit, den Anstieg der Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre zu reduzieren. Das von der Europäischen Union geförderte Projekt ECO2 entwickelte Ratschläge für die Auswahl und Überwachung von untermeerischen Speicherstätten sowie einen Ansatz für eine fundierte Risiko-Abschätzung. 27 Partner-Institutionen aus neun europäischen Ländern arbeiteten von Mai 2011 bis April 2015 unter Leitung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel zusammen. Die Ergebnisse von ECO2 fließen in die Überarbeitung der CCS-Regularien ein und sollen helfen, marine Speicher sicherer zu betreiben.

    Lässt sich Kohlendioxid (CO2) sicher im Meeresboden speichern? Experten unterschiedlichster Disziplinen aus 27 Institutionen in neun europäischen Ländern untersuchten gemeinsam mögliche Risiken und deren Konsequenzen. Die Arbeit des multi-disziplinären Verbunds wurde vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel koordiniert und durch das Siebte Rahmenprogramm der Europäischen Union mit 10,5 Millionen Euro gefördert. Auf Expeditionen zu den norwegischen Speicherstätten Sleipner und Snøhvit sowie zu natürlichen Kohlendioxid-Quellen, etwa im Thyrennischen Meer, der Barents See und der Nordsee, identifizierten ECO2-Wissenschaftler mögliche Wegsamkeiten für CO2 im Untergrund, prüften Austrittsstellen, verfolgten die Ausbreitung von CO2 am Meeresboden und untersuchten die Auswirkungen auf Pflanzen und Tiere. Ihre Ergebnisse bündelten sie in einem Leitfaden, den Projektvertreter jetzt in Brüssel der Europäischen Union und anderen Interessenten vorstellten.

    ECO2 entwickelte einen Ansatz, um Wahrscheinlichkeiten, Risiken und Konsequenzen im Zusammenhang mit der Speicherung von Kohlendioxid im Meeresboden einzuschätzen. Hierfür wird beispielsweise die Bedeutung lokaler Organismen und Habitate für die Umwelt nach Vorgaben etwa für Natura 2000-Schutzgebiete oder des OSPAR-Vertrags zum Schutz der Nordsee und des Nordostatlantiks bewertet sowie deren Verletzlichkeit beurteilt. Hauptelement des Ansatzes ist der neue “Propensity to Leak Factor” – eine Angabe zur Sicherheit einer Speicherstätte. Neben einer detaillierten geologischen Beschreibung fließen auch heuristische Techniken in den Faktor ein, die verschiedene unsichere Parameter erfassen. „Es ist nicht möglich, alle relevanten geologischen Eigenschaften, Prozesse und Ereignisse mit aktuell verfügbaren Reservoir-Modellen abzudecken“, erklärt Todd Flach, Chef-Ingenieur für Forschung bei Det Norske Veritas Germanischer Lloyd (DNVGL). „Darum haben wir einen Weg gefunden, um realistisch abzuschätzen, wie wahrscheinlich es ist, dass eine Speicherstätte leckt.“

    Bei der Auswahl von Speicherstätten rät ECO2, geologische Strukturen zu vermeiden, die als Aufstiegswege für Formationswasser und Gase fungieren können, geologische Formationen mit giftigen Komponenten und Gebiete mit geringer Strömungsdynamik und stark geschichtetem Wasserkörper. Außerdem sollte stets ein Abstand zu bedeutsamen Ökosystemen oder Gebieten eingehalten werden, in denen sich Lebewesen ohnehin schon an ihren Toleranzgrenzen behaupten müssen.

    Basierend auf ihrem umfangreichen Programm an Feldarbeiten empfehlen die Projektmitglieder, die Deckschichten des Sediments, den Meeresboden und die Wassersäule über einem Speicher mit seismischen 3D-Techniken oder anderen hochaufgelösten Abbildungen des Meeresbodens zu überwachen, Gas-Ansammlungen und Austrittsstellen mit Hilfe hydroakustischer Verfahren sowie mit Hilfe von Fotos und Videos zu dokumentieren und ausgetretenes Kohlendioxid chemisch zu detektieren. „Die meisten dieser Überwachungstechnologien sind bereits verfügbar oder in Entwicklung und bald Standard“, betont Prof. Dr. Klaus Wallmann, Koordinator des Projekts ECO2. „Es ist wichtig, dass Emissionsraten von Gasen und Flüssigkeiten überprüft werden, damit sichergestellt ist, dass Lecks nicht durch die Nutzung einer Speicherstätte verstärkt oder frühere Austrittsstellen reaktiviert werden.“

    „Geophysiker, Geologen, Biologen, Geochemiker, Ozeanografen, Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler haben eng zusammen gearbeitet, um ein mehrstufiges System zur Einschätzung von CO2-Speicherung im Meeresboden zu schaffen“, fasst Prof. Wallmann zusammen. „Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse dazu beitragen, bestehende Regelungen zu CCS anzupassen und neue Leitlinien zu entwickeln. Das Wissen, das wir gewonnen haben, ist auch für Firmen bei der Planung und Umsetzung von CCS außerordentlich hilfreich. Und es kann helfen, die aktuelle Diskussion über CCS zu konkretisieren.“

    Originalarbeiten:

    Best Practice Guidance for Environmental Risk Assessment for offshore CO2 geological storage http://dx.doi.org/10.3289/ECO2_D14.1

    Liste der begutachteten wissenschaftlichen Veröffentlichungen aus dem Project ECO2:

    www.eco2-project.eu/article-in-a-scientific-journal-peer-reviewed.html

    Links:

    www.eco2-project.eu

  • Im Reich des Planktons

    Im Reich des Planktons

    Vielfalt im Meer weitaus größer als bisher bekannt

    Heute, am 22. Mai 2015, veröffentlicht das US-Wissenschaftsmagazin Science in einer Spezialausgabe fünf wissenschaftliche Studien zur Vielfalt und den Wechselbeziehungen kleinster Meeresorganismen, des sogenannten Planktons. Grundlage sind Expeditionen mit dem französischen Schoner TARA, die zwischen 2009 und 2013 stattfanden. Internationale Meeresforscher aus vielen Fachrichtungen, darunter auch MARUM-Wissenschaftler, sammelten dabei rund 35.000 Meerwasser- und Planktonproben aus 210 Regionen. In Science legen sie jetzt erste Auswertungen vor.

    Ziel der TARA-Expedition war eine Bestandsaufnahme der im obersten, lichtdurchfluteten Ozeanstockwerk driftenden Organismen. Dieses Plankton, zu denen winzigste Viren, Einzeller, aber auch Fischlarven zählen, bildet nicht nur die Grundlage des ozeanischen Nahrungsnetzes; es produziert auch 50% des atmosphärischen Sauerstoffs. Zudem binden die im Meer treibenden Mikroorganismen Kohlenstoff und beeinflussen so den globalen Kohlenstoffkreislauf und damit das Klimageschehen.

    Laut den in Science publizierten Studien erbrachten die Analysen der während der TARA-Expeditionen gesammelten Organismen rund 40 Millionen Gene; die meisten davon waren der Wissenschaft vorher nicht bekannt. Sie liefern Hinweise, dass die genetische Vielfalt des Planktons im Meer weitaus größer ist als bislang angenommen.

    Im Fokus der Studie, an denen auch zwei MARUM-Wissenschaftler beteiligt waren, standen sogenannte Eukaryoten. Das sind einzellige Lebewesen, deren Zellen mit einem Zellkern ausgestattet sind. Dazu zählen zum Beispiel die meisten Mikroalgen. Die Untersuchungen lieferten erstmals einen Überblick zur Vielfalt dieser Organismen über das gesamte Artenspektrum. Insgesamt untersuchte das internationale Forscherteam mit Hilfe molekularbiologischer Methoden 334 Proben, die auf insgesamt 47 ozeanischen Messstationen gesammelt worden waren. Die Proben enthielten Mikroorganismen, die zwischen mehreren und weniger als einem Tausendstel Millimeter klein waren.

    Anhand der Proben gewannen die Meeresforscher rund 766 Millionen DNA-Sequenzen. Diese molekularbiologischen Untersuchungen deuten darauf hin, dass in der obersten Ozeanschicht etwa 150.000 Arten vorkommen – zehnmal mehr als bislang in der Literatur beschrieben. Ein Drittel der Sequenzen konnten die Forscher keiner der bisher bekannten eukaryotischen Organismengruppen zuordnen.

    Den Untersuchungen zufolge erwiesen sich solche Organismengruppen als besonders vielfältig, in denen symbiotische Lebensformen vorherrschen; d.h. in denen sich unterschiedliche Arten zum gemeinsamen Vorteil vergesellschaften. Ein ähnliches Muster ergibt sich für eine andere Form des Zusammenlebens. Nach den jetzt in Science vorgestellten Erkenntnissen scheint auch Parasitismus in den Weltmeeren stark verbreitet zu sein. So gesehen zeigt sich, dass Wechselwirkungen zwischen Organismen für die Artenvielfalt im Meer bedeutsamer sind als bislang bekannt.

    Originalstudie:
    Colomban de Vargas et al.: Eukaryotic plankton diversity in the sunlit ocean;
    in: Science 22 May 2015; Vol. 348 no. 6237; DOI: 10.1126/science.1261605

    MARUM - Center for Marine Environmental Sciences
    University of Bremen
    Albert Gerdes - Public Relations
    Phone: +49 - 421 - 218-65540
    Mail: agerdes@marum.de
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    youtube.com/user/marumTV

  • Umweltausschuss: Kritik an Maßnahmen zum Meeresschutz

    Kritik an Maßnahmen zum Meeresschutz
    Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit - 20.05.2015

    Berlin: (hib/JOH) Der von der Bundesregierung im März vorgelegte Maßnahmenkatalog zur Umsetzung der EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) wird von Umweltexperten als unzureichend bewertet. In einem öffentlichen Fachgespräch am Mittwoch im Umweltausschuss forderten sie zum Teil erhebliche Nachbesserungen.

    Die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) der Europäischen Union trat im Juli 2008 in Kraft und zielt darauf ab, bis 2020 einen guten ökologischen Zustand der europäischen Meere herzustellen beziehungsweise zu erhalten. Die EU-Mitgliedstaaten werden darin verpflichtet, bis Ende 2015 konkrete Maßnahmen für den Meeresschutz zu beschließen. Ende 2016 sollen die Maßnahmen operationalisiert werden. Die Bundesregierung hatte vor wenigen Wochen gemeinsam mit den Landesregierungen der fünf Küstenbundesländer einen ersten Entwurf eines Maßnahmenkatalogs veröffentlicht.

    Nadja Ziebarth vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND) forderte die Überarbeitung dieses Kataloges im Sinne eines effektiven Meeresschutzes. Besonders im Bereich Biodiversität und Ressourcenschutz weise er „massive Lücken“ auf. So fehlten Maßnahmen zur Beschränkung der Fischerei, zur Öl- und Gasförderung im Meer sowie zur Reduzierung des Nähr- und Schadstoffeinträge. Vernachlässigt werde vor allem der Schutz der Ostsee: „Hierfür gibt es keine Fischereimaßnahmen, kein Lärmschutzkonzept und kein Konzept gegen die Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft“, kritisierte Ziebarth. Sie forderte unter anderem ein Verbot von bodenberührenden Fanggeräten sowie Stellnetzen in den Schutzgebieten.

    Auch Jochen Krause vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) bezeichnete die bisherigen Pläne als „nicht ausreichend“. Zum Beispiel fehlten bislang Maßnahmen zur Schaffung von Ruheräumen im Meer, in denen sich die Natur erholen könne. Darüber hinaus wertete er die Fristen zur Herstellung eines guten ökologischen Zustandes als „sehr knapp“. Ein Bericht über den Zustand der Meere aus dem Jahr 2012 habe gezeigt, dass bisher in keinem europäischen Meer ein guter Umweltzustand erreicht worden sei. Nicht zuletzt gebe es auch in Deutschland teilweise erhebliche Umsetzungsdefizite bei wichtigen Umweltzielen. Als Beispiel nannte Krause die Reduzierung von Nähr- und Schadstoffeinträgen und den Kampf gegen den Verlust der Biodiversität.

    Christian Buschbaum vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) urteilte, mit der MSRL sei ein Instrument geschaffen worden, das nationale Bemühungen zum Schutz der Meeresumwelt in einem europaweit abgestimmten Verfahren zusammenführe. „Das begrüßen wir ausdrücklich“, betonte Buschbaum. Jedoch sei dies mit enormen Herausforderungen verbunden, da Indikatoren für die Beschreibung eines guten Umweltzustandes größtenteils noch am Anfang ihrer Entwicklung stünden. Um mit ihrer Hilfe verlässliche Aussagen über den Zustand der Meeresumwelt ableiten zu können, sei noch viel Forschungsarbeit notwendig. Außerdem bezeichnete Buschbaum das Verständnis der nationalen Küstengewässer und der Hohen See als „noch immer lückenhaft“. Der Umsetzungsprozess der Richtlinie müsse daher durch wissenschaftliche Meeresforschung begleitet werden.

    Gerd Kraus vom Johann-Heinrich-von-Thünen-Institut (TI) lobte die MSRL als „meerespolitisch wichtigste Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte“. Doch auch er sieht die Staaten vor „extremen Herausforderungen“ stehen, gerade angesichts der komplexen Probleme in den Meeren und der großen Wissensdefizite in diesem Bereich. „Im Meer ist alles vernetzt“, erklärte Kraus, viele Zusammenhänge seien bisher nicht geklärt. Er forderte „mehr Ressourcen“, um die Richtlinie erfolgreich umsetzen zu können.

    Die von der Bundesregierung vorgeschlagenen Maßnahmen kritisierte Kraus wie seine Vorredner als unzureichend und „oft windelweich“. Außerdem bleibt aus seiner Sicht zu wenig Zeit „für eine vollwertige und zielführende Umsetzung“. Bis 2020 werde es daher zwar Verbesserungen in den europäischen Meeren geben, „aber keine substanziellen Änderungen“.

    http://www.bundestag.de/presse/hib/2015_05/-/375370

  • Bundesamt für Naturschutz legt Artenschutz-Report vor - Meeresschutzgebiete dringend notwendig

    Bundesamt für Naturschutz legt ersten Artenschutz-Report vor

    • Ein Drittel der Arten sind in ihrem Bestand gefährdet
    • Zu den zentralen Verursachern gehört die intensive Landwirtschaft
    • Wildnisgebiete und nutzungsfreie Wälder sind für Erhalt der Artenvielfalt unabdingbar
    • BfN legt Acht-Punkte-Programm zum Artenschutz vor

    Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) stellt heute zum ersten Mal einen umfassenden Artenschutz-Report vor. Hierin nimmt das BfN eine Analyse der in Deutschland lebenden Tier-, Pflanzen- und Pilzarten vor. Der Report gibt einen Überblick, wie viele Arten in Deutschland leben, wie hoch der Anteil der gefährdeten Arten ist und wie sich die Artenvielfalt in den letzten Jahren entwickelt hat. Er macht aber auch deutlich, wo im Artenschutz Erfolge zu verzeichnen sind und worauf diese sich zurückführen lassen. Damit liefert der BfN-Artenschutzreport eine wichtige Analyse, um gefährdete Arten identifizieren und schützen zu können. Das BfN legt den Fokus auf acht Bereiche, in denen ein dringender Handlungsbedarf festzustellen ist und schlägt zentrale Maßnahmen zum Artenschutz vor.

    "Der Zustand der Artenvielfalt in Deutschland ist alarmierend, denn ein Drittel der auf Roten Listen erfassten Arten ist im Bestand gefährdet und weitere Arten sind sogar schon ausgestorben. Damit wird bislang auch das nationale Ziel verfehlt, den Verlust der biologischen Vielfalt aufzuhalten," fasste BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel den Artenschutz-Report zusammen. "Wir müssen dringend unsere Anstrengungen verstärken, um den Artenrückgang zu stoppen", so Jessel.

    Deutschland beherbergt rund 48.000 Tierarten, 9.500 Pflanzen- und 14.400 Pilzarten. In der Roten Liste Deutschlands wurden mehr als 32.000 heimische Tiere, Pflanzen und Pilze hinsichtlich ihrer Gefährdung untersucht. Dabei zeigt sich ein ernüchterndes Bild: Rund 31% wurden als bestandsgefährdet eingestuft, 4% sind bereits ausgestorben.

    Von den aktuell untersuchten 11.000 Tierarten sind 30% bestandsgefährdet und 5% ausgestorben. Fast 28% der Wirbeltierarten, die Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere umfassen, sind aktuell bestandsgefährdet. Bei den wirbellosen Tieren, zu denen beispielsweise die Insekten gehören, gelten sogar 45,8% der bislang 6.057 untersuchten Arten und Unterarten als bestandsgefährdet, extrem selten oder bereits ausgestorben. Außer bei den Säugetieren sind bei diesen Zahlen die marinen Organismen nicht berücksichtigt. Die aktuelle Situation der Brutvogelarten hat sich in den letzten Jahren spürbar verschlechtert: Über die letzten zwölf Jahre nahmen 34% der Brutvogelarten in ihrem Bestand mehr oder weniger stark ab. Über 23% der Zugvogelarten sind bestandsgefährdet und stehen auf der Roten Liste der wandernden Vogelarten.

    An vorderster Stelle der Ursachen für die Gefährdung der Arten stehen intensive Formen der Landbewirtschaftung. Weitere wesentliche Gefährdungen liegen in der Forstwirtschaft, Wasserbau und Gewässerunterhaltung, Baumaßnahmen sowie Sport- und Freizeitaktivitäten. Unter den 25 wichtigsten Gefährdungsursachen dominieren damit Maßnahmen, die mit einer Intensivierung der Nutzung von Natur und Landschaft und damit einhergehenden Veränderungen bzw. der Zerstörung der Lebensräume verbunden sind. Aktuell spielt der Klimawandel noch keine große Rolle als Gefährdungsursache. Das BfN geht jedoch davon aus, dass dieser Einfluss bei fortlaufender Klimaänderung zunehmen wird. Ursächlich für die Gefährdung der marinen Organismen sind vor allem die Fischerei, Lebensraumveränderungen, Schadstoffeinträge und Aquakulturen.

    Um den Artenrückgang zu stoppen, sind weiterhin große Anstrengungen im Artenschutz erforderlich. Das BfN fordert gezielte Einzelmaßnahmen für besonders gefährdete Arten und solche Arten, für deren Erhaltung Deutschland eine besondere Verantwortung hat. Dringend notwendige artübergreifende Schutzmaßnahmen umfassen nach Einschätzung des BfN die Erhöhung der Lebensraum- und Strukturvielfalt in der Landschaft, wie beispielsweise den Erhalt von Grünland, die Einrichtung ungenutzter Pufferstreifen um Landschaftselemente und Äcker, naturnahen Waldbau, Wiedergewinnung von Auenflächen durch Deichrückverlegungen, Wiedervernässung von Mooren und eine ökosystemverträgliche, nachhaltige Fischerei. Zudem ist das Vorhandensein nutzungsfreier Wälder unverzichtbar, um das gesamte Spektrum der Artenvielfalt zu erhalten. Denn zahlreiche Flechten, Moose und Pilze oder Totholz bewohnende Käfer sind für ihren Fortbestand auf solche Waldformen angewiesen.

    Ungeachtet der auch weiterhin notwendigen Anstrengungen gibt es aber auch sichtbare Erfolge beim Schutz einzelner Arten. Sie sind vor allem dort festzustellen, wo gezielte Artenschutzmaßnahmen zum Einsatz kamen (etwa bei Vogelarten wie dem Schwarzstorch oder dem Seeadler), wo Schutzgebiete wichtige Rückzugsräume bildeten und zudem gut gemanagt wurden (z.B. beim Schutz der Flussperlmuschel) oder wo durch vertragliche und hinreichend finanziell ausgestattete Maßnahmen Naturschutzkonzepte in der Agrarlandschaft umgesetzt wurden (etwa bei Wiesenbrüterprogrammen oder Ackerrandstreifenprojekten, die Vogelarten wie der Uferschnepfe oder dem Braunkehlchen und Wildkräutern wie der Kornblume zugutekamen). Dies belegt, dass sich gezielte und langfristige Naturschutzmaßnahmen auszahlen. Insbesondere bei einigen Tierarten wie Biber, Wildkatze und Wolf konnten strenge gesetzliche Schutzbestimmungen, Maßnahmen zur Verbesserung bzw. Neuschaffung ihrer Lebensstätten oder Wiederansiedlungsprojekte deutliche Erfolge erzielen. So wird der aktuelle Bestand an Wildkatzen in Deutschland derzeit wieder auf 5.000 bis 7.000 Tiere geschätzt. Das BfN sieht hierin eine Bestätigung bisheriger Schutzbemühungen, die auch weitere Maßnahmen sinnvoll erscheinen lassen, zumal von solchen Schlüsselarten zahlreiche weitere Tier- und Pflanzenarten profitieren.

    Der vorgelegte Artenschutzreport gibt wichtigen Aufschluss über die Gründe, die im Artenschutz zu Gefährdungen und zu Erfolgen führen. Er stellt damit eine wichtige Grundlage für den Schutz der Arten dar. Eine genaue Erfassung und Entwicklungsanalyse mit verlässlichen und umfassenden Daten ist unverzichtbar, um gefährdete Arten zu identifizieren, zu schützen und damit dem Verlust der Artenvielfalt in Deutschland entgegenzutreten.

    Hintergrund: Acht-Punkte-Programm des BfN zum Schutz der Arten in Deutschland
    • 1. Bestehende Artenschutzprogramme sind auszubauen und zu ergänzen, um gezielt die Bestände von in ihrem Bestand besonders gefährdeten Arten, v.a. solchen, bei denen ein Flächenschutz allein nicht ausreicht, sowie von Arten, für die Deutschland eine besondere Verantwortlichkeit hat, zu schützen und zu erhalten.

    • 2. Das bestehende Schutzgebietssystem ist auf Lücken zu überprüfen und weiterzuentwickeln, denn ein repräsentatives und gut vernetztes System von Schutzgebieten ist wesentlich, um in der intensiv genutzten Kulturlandschaft hinreichend Rückzugsmöglichkeiten für Arten mit besonders spezialisierten Lebensraumansprüchen zu bieten. Wichtig ist zudem ein effektives Management, damit Schutzgebiete ihre Wirksamkeit entfalten können. Dieses umfasst neben gebietsspezifischen Managementplänen eine ausreichende Ausstattung mit personellen und finanziellen Ressourcen.

    • 3. Effektiver Artenschutz profitiert am besten vom Schutz der betreffenden Lebensräume und einer in der Fläche nachhaltigen und naturverträglichen Nutzung. Für landwirtschaftlich genutzte Flächen ist eine gestärkte ökologische Komponente der europäischen Agrarförderung (GAP) vorzusehen. Dazu gehören beispielsweise ein bundesweites vollständiges Grünlandumbruchsverbot sowie eine sinnvolle Ausgestaltung der ökologischen Vorrangflächen innerhalb der GAP. Um den Schutz der Arten in der Agrarlandschaft zu optimieren, sind die Vertragsnaturschutzmaßnahmen besser finanziell auszustatten, noch zielgerichteter zu konzipieren und die vorhandenen Mittel vermehrt in wirksame Maßnahmen zu investieren.

    • 4. Das Vorhandensein nutzungsfreier Wälder ist unabdingbar, um das gesamte Spektrum der Artenvielfalt zu erhalten. Der Anteil nutzungsfreier Wälder ist weiter zu erhöhen, um das in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt festgelegte Ziel von einem Anteil von 5 % an der Waldfläche zu erreichen. Darüber hinaus sollte die Artenvielfalt in den Wäldern durch eine naturverträgliche Nutzung mit entsprechendem Strukturreichtum und eine natürliche Baumartenauswahl gefördert werden. Naturschutzleistungen im Wald sind dazu angemessen zu honorieren.

    • 5. Die Vernetzung von Lebensräumen ist wichtig, u. a. um Ausbreitung und Genaustausch von Individuen zu befördern und zugleich die Anpassung an den Klimawandel zu erleichtern. Um die Vernetzung der Lebensräume zu verbessern, sind ausreichend naturnahe Landschaftselemente vorzusehen und der gesetzlich geforderte bundesweite Biotopverbund auf 10 % der Fläche eines jeden Bundeslandes einzurichten. Das BNatSchG (§§ 20, 21) adressiert bei der Umsetzung des Biotopverbundes im besonderen Maße die Bundesländer.

    • 6. Die Flüsse sind wieder durchgängig zu gestalten und mit ihren Auen zu verbinden. Die Fläche durchströmter Auen ist bundesweit zu vergrößern. Damit können sie gleichermaßen ihre Funktion als Lebensraum zahlreicher Arten wahrnehmen und wertvolle Ökosystemleistungen erbringen. Bei der Umsetzung von Hochwasserschutzmaßnahmen ist auf bestmögliche Synergien zwischen Belangen des Naturschutzes und des Hochwasserschutzes zu achten.

    • 7. Für die marinen Schutzgebiete in der Ausschließlichen Wirtschaftszone sind die Voraussetzungen zu schaffen, dass diese tatsächlich Rückzugsgebiete und Ruheräume für gefährdete Arten darstellen. Dazu ist insbesondere eine ökosystemverträgliche, nachhaltige Fischerei notwendig.

    • 8. Um noch zielgerichteter Schutzmaßnahmen für die Arten durchführen zu können, ist es erforderlich, bessere Datengrundlagen über die Gefährdungssituation bzw. den Erhaltungszustand der Schutzgüter zu schaffen, fortzuführen und weiterzuentwickeln. Die in diesem Zusammenhang unersetzlichen Leistungen des Ehrenamtes sind höher wertzuschätzen und professionell zu begleiten.

    Hier gelangen Sie zum Artenschutz-Report:
    www.bfn.de/fileadmin/BfN/presse/2015/Dokumente/Artenschutzreport_Download.pdf

  • SAFE: 25 Jahre delfinsicherer Thunfisch

    SAFE: 25 Jahre delfinsicherer Thunfisch

    Vor 25 Jahren wurde das umfassendste und wirkungsvollste Delfinschutzprogramm der Welt gegründet: SAFE, das internationale Kontrollprogramm für delfinsicher gefangenen Thunfisch des Earth Island Institute aus Kalifornien (EII).

    Mehr als 7 Millionen tote Delfine in 40 Jahren beim Thunfischfang
    Es war die größte Massenvernichtung von Meeressäugern in der Geschichte der Menschheit: Beginnend in den späten 1950er-Jahren bis Anfang der 1990er-Jahre hatte die Thunfischindustrie allein im tropischen Ostpazifik (ETP) nach Berechnungen des EII mehr als 7 Millionen Delfine getötet.

    Erst als im Jahr 1989 der US-Naturschützer Samuel LaBudde diese skrupellose Fischerei mit erschreckenden Undercover-Videoaufnahmen entlarvte, gab es eine Möglichkeit, den millionenfachen Delfin-Mord endlich zu beenden. Seine Aufnahmen bewirkten einen öffentlichen Aufschrei und bereiteten den Boden für das erste weltweite Fisch-Zertifizierungsprogramm überhaupt.

    1990 rief das Earth Island Institute SAFE ins Leben und die großen Thunfischanbieter in den USA verpflichteten sich, keinen mit kriminellen Methoden gefangenen Thunfisch mehr zu verarbeiten und zu verkaufen.

    Eine globale Erfolgsstory für das Leben in den Meeren
    Auch nach Deutschland sollte kein delfintödlicher Thunfisch mehr gelangen. Dafür sorgte der dreimalige Weltumsegler und Dokumentarfilmer Rollo Gebhard (1921-2013) Anfang der 1990er-Jahre mit rabiaten Aktionen. Öffentlichkeitswirksam fegte er Dosen mit delfintödlichem Thunfisch aus Supermarktregalen und rief zum Boykott dieser Produkte auf.

    Mit der von ihm 1991 gegründeten Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) schloss er sich mit dem EII zusammen und etablierte SAFE in Deutschland. Die angeschlossenen Importeure und Händler verpflichten sich, nur Thunfisch anzubieten, bei dessen Fang keine Delfine getötet wurden.

    80.000 - 100.000 Delfine werden jedes Jahr vor dem Beifangtod gerettet
    Auf diese Weise wurde "delfintödlicher" Dosenthunfisch vom Markt gefegt. SAFE kontrolliert heute etwa 90 Prozent des internationalen Handels in Europa, Kanada, Australien und in den USA, wo weltweit der meiste Dosenthunfisch verbraucht wird. Im Jahr 2014 umfasste SAFE 515 Firmen in 71 Ländern.

    Mit regelmäßigen Kontrollen wird sichergestellt, dass die beteiligten Firmen nur delfinfreundlichen Thunfisch auf den Markt bringen. Denn auch heute noch versuchen Fang- und Verarbeitungsfirmen immer wieder, ihren delfintödlichen Thunfisch weltweit auch in Deutschland zu vermarkten.

    Dank SAFE bleiben jedes Jahr 80.000 - 100.000 Delfine vom grausamen Tod als Beifang im Fischernetz verschont!

    Aus SAFE entwickelte sich 2006 das Fischzertifizierungsprogramm Friend of the Sea (FoS), bei dem weitere Aspekte der Nachhaltigkeit wie beispielsweise Schonung der befischten Art berücksichtigt werden.

    Diese Meldung und weitere Informationen finden Sie auch online:
    SAFE: 25 Jahre delfinsicherer Thunfisch
    http://www.delphinschutz.org/projekte/safe-delfinsicherer-thunfisch/nachrichten-uebersicht/829-safe-25-jahre-delfinsicherer-thunfisch

    Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V.
    Society for Dolphin Conservation, Germany
    Kornwegerstr. 37 - 81375 München
    Tel.: 089 - 74 16 04 10 | Fax: 089 - 74 16 04 11
    Bürozeiten: Mo - Do 9:30 - 13:30 | Fr 10:00 - 13:30
    www.delphinschutz.org

  • Indischer Ozean „versteckt“ Erderwärmung

    Indischer Ozean „versteckt“ Erderwärmung - Meeresforscher weisen erhöhte Wärmeaufnahme nach

    Warum stieg die Erdtemperatur in den vergangenen zwei Jahrzehnten nur wenig an? Ein Forscherteam verschiedener amerikanischer Einrichtungen und vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel konnte zeigen, dass sich der Wärmeinhalt des Indischen Ozeans seit Ende der 90iger Jahre stark erhöht hat, obwohl bei den globalen Temperaturen kaum ein Anstieg zu verzeichnen war. Grund hierfür dürfte ein erhöhter Wärmeaustausch zwischen dem Pazifischen und Indischen Ozean sein, wie die Autoren in der internationalen Fachzeitschrift Nature Geoscience berichten.

    Am Ende des 20. Jahrhunderts und zu Beginn des 21. Jahrhunderts hat die globale Erwärmung eine Pause eingelegt, obwohl dies aufgrund der stetig steigenden Emissionen an Treibhausgasen nicht unbedingt zu erwarten war. Wissenschaftler suchten nach der Ursache dieser für viele überraschenden Entwicklung. Nun konnte man in einer Studie, in der sowohl Beobachtungsdaten wie auch Modellsimulationen zur Anwendung kamen, zeigen, dass insbesondere der tropische Indische Ozean in den letzten zwei Jahrzehnten in einem sehr viel stärkeren Maße Wärme gespeichert hat als in den Jahrzehnten zuvor. Insbesondere durch den indo-pazifischen Durchstrom gelangte in erheblichem Maße Wärme aus dem tropischen Pazifik in diesen Teil des Weltozeans.

    „Wir haben zunächst vermutet, dass der Pazifik überdurchschnittlich viel Wärme gespeichert hat“, sagt Dr. Wonsun Park vom GEOMAR Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung Kiel, Co-Autor der Studie. „Diese Hypothese mussten wir aber verwerfen, da die Messungen sogar einen Rückgang des Wärmeinhalts im Pazifik zeigten“, so Park weiter. Erstautor Dr. Sang-Ki Lee von der University of Miami und NOAA führte deshalb umfangreiche Modellstudien durch und kam gemeinsam mit Dr. Park dem Mechanismus auf die Spur. Die vergangenen zwei Jahrzehnte waren im indo-pazifischen Raum durch verstärkte „La Niña“-Bedingungen geprägt, gekennzeichnet durch einen kalten Ost- und einen warmen Westpazifik. Die damit einhergehende verstärkte Passatzirkulation transportierte warmes Wasser nach Westen und drückte es durch den indo-pazifischen Archipel in den Indischen Ozean. Im Ergebnis wurden dadurch in den oberen 700 Metern des Indischen Ozeans etwa 70% der globalen Wärmeaufnahme gespeichert.

    „Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die Bedeutung des indo-pazifischen Durchstroms als Teil der globalen (thermohalinen) Ozeanzirkulation“, erläutert Sang-Ki Lee. Die dort aufgestaute Wärme könnte nun auch über andere Meeresströmungen, wie beispielsweise den Agulhas-Strom weiter in den Atlantik gelangen und so global umverteilt werden. „Zu welchen Klimaschwankungen solche großräumigen Umverteilungen von Wärme im Ozean führen wird, lässt sich aber noch nicht abschätzen“, so Dr. Park abschließend. „Wir werden dieses Phänomen aber weiter beobachten und weitere Modellexperimente durchführen, so der südkoreanische Wissenschaftler.

    Originalarbeit:
    Lee, S.-K., W. Park, M. O. Baringer, A. L. Gordon, B. Huber and Y. Liu, 2015: Pacific origin of the abrupt increase in Indian Ocean heat content during the warming hiatus. Nature Geoscience, doi:10.1038/ngeo2438.

    Ansprechpartner:
    Dr. Andreas Villwock (Kommunikation & Medien), Tel. 0431 600-2802, presse@geomar.de

  • Schutz der letzten Ostseeschweinswale - Umweltorganisationen fordern bessere Regulierung von Fischerei und Unterwasserlärm

    Gemeinsame Pressemitteilung

    Zum Tag des Ostseeschweinswals am 17. Mai: Bund und Länder versagen beim Schutz der letzten Ostseeschweinswale - Umweltorganisationen fordern bessere Regulierung von Fischerei und Unterwasserlärm

    Berlin/Hamburg: Acht deutsche Umweltverbände fordern die Bundesregierung und die Länder Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein auf, endlich die letzten Ostseeschweinswale zu schützen, um das Aussterben des einzigen deutschen Ostseewals zu verhindern. Die Population in der zentralen Ostsee ist auf maximal 450 Tiere zusammengeschrumpft und gilt als stark vom Aussterben bedroht.

    „Der Schweinswal-Bestand der zentralen Ostsee wird nicht mehr zu retten sein, wenn Bund und Ostsee-Küstenländer nicht entschlossen handeln“, kritisieren die Verbände. Ausgerechnet die schutzbedürftige Walpopulation in der Ostsee wird besonders vernachlässigt. So bezieht sich das sog. Schallschutzkonzept des Bundesumweltministeriums (BMUB ) zum Schutz von Schweinswalen bei der Errichtung von Offshore-Windkraft-Anlagen nur auf die Nordsee. Im Interesse eines effektiven Schutzes der Tiere muss es vor allem endlich zu einer Einigung zwischen dem BMUB und dem für Fischerei zuständigen Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) kommen, die den Walen wirklich nützt. Denn bisher blockiert vor allem das BMEL die notwendigen Maßnahmen in Schutzgebieten.

    „Die Offshore-Meeresschutzgebiete in der Ostsee existieren seit acht Jahren auf dem Papier, aber die Fischerei ist dort in keiner Weise eingeschränkt. Dabei verenden unzählige Tiere als ungewollter Beifang in Stellnetzen“, kritisieren die Umweltorganisationen. „Und auch die Küstenländer versagen beim Schutz der Schweinswale.“ Während in Schleswig-Holstein nur freiwillige Vereinbarungen in einer ohnehin schwachen Küstenfischereiverordnung gelten, bleibt Mecklenburg-Vorpommern völlig untätig und versteckt sich hinter dem Bundeslandwirtschaftsministerium. Zugleich gefährden dort Pläne zur Ausweitung der Offshore-Windkraft in sensiblen Naturräumen im Landesraumentwicklungsprogramm Schweinswale sowie den Vogelzug.

    Es entsteht der Eindruck, dass Bund und Länder einen massiven Verstoß gegen ihre Erhaltungspflichten aus EU-Recht und - noch viel schlimmer - das Aussterben der Ostseeschweinswale bewusst in Kauf nehmen. „Obwohl die Bundesregierung das Thema Meeresschutz beim G7 Gipfel auf die Agenda setzt, nimmt sie es offenbar nicht ernst, wenn konkrete Maßnahmen vor der eigenen Haustür gefordert sind“, kritisieren die Meeresschützer.

    Ende Januar hatte eine Allianz von Umweltorganisationen Klage gegen den Bund wegen der Nicht-Umsetzung von Fischereiregelungen in den deutschen Meeresschutzgebieten eingereicht. Und gerade erst Mitte April hat diese Allianz den unzureichenden Entwurf des deutschen Maßnahmenprogramms der Europäischen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) durch die Bundesregierung massiv kritisiert. „Insbesondere fehlen nutzungsfreie Zonen in den Schutzgebieten, die bedrohten Arten wie dem Schweinswal als echte Refugien dienen“, fordern die Verbände und verweisen auf eine Vielzahl weiterer, dringend notwendiger Vorschläge zum Meeresschutz.

    Die sog. Schattenliste der Umweltverbände skizziert die drängendsten Herausforderungen zum Schutz der deutschen Nord- und Ostsee und steht zum Download bereit unter http://ow.ly/MTrCa. Das Maßnahmenprogramm der Bundesregierung steht für die öffentliche Beteiligung offen. Die Unterlagen können unter www.meeresschutz.info heruntergeladen werden.

    Hintergrund:

    Der Schweinswal (Phocoena phocoena), ein Verwandter der Delfine, ist die einzige in Deutschland heimische Walart und steht unter dem strengen Schutz der Habitat-Richtlinie der EU. Sein Vorkommen ist einer der Gründe für die Ausweisung von Schutzgebieten in Nord- und Ostsee. Viele tot angeschwemmte Tiere sind in Folge menschlicher Aktivitäten gestorben. Zu den häufig festgestellten Todesursachen zählen Stellnetze, in denen die Tiere verenden, sowie massive Gehörschädigungen in Folge von Rammschall, der durch den Bau von Offshore-Windkraftanlagen, die Sprengung von Alt-Munition oder seismische Untersuchungen mit Schallkanonen sowie militärisches Sonar entsteht.

    Jedes Jahr zum 17. Mai ruft das von Deutschland unterzeichnete Kleinwalschutzabkommen ASCOBANS zum Tag des Ostseeschweinswals auf, um auf seine Bedrohung aufmerksam zu machen. In den vergangenen Jahrzehnten ist der Bestand der Schweinswalpopulationen insbesondere östlich des Darß dramatisch zurückgegangen.

    Kontakt:

    BUND: Dr. Nadja Ziebarth, Tel: 0174-3191424, E-Mail: nadja.ziebarth@bund.net; BUND- Landesverband Mecklenburg-Vorpommern, Corinna Cwielag, Tel: 0178-5654700, E-Mail: corinna.cwielag@bund.net; BUND-Landesverband Schleswig-Holstein, Stefanie Sudhaus, Tel: 0176-23390368, E-Mail: stefanie.sudhaus@bund-sh.de

    DEEPWAVE: Dr. Onno Groß, Tel: 0179-5986969, E-Mail: o.gross@deepwave.org

    DNR: Liselotte Unseld, Tel: 0170-8545969, E-Mail: liselotte.unseld@dnr.de

    Deutsche Umwelthilfe: Ulrich Stöcker, Tel: 0160-8950556, E-Mail: stoecker@duh.de

    Greenpeace: Thilo Maack, Tel: 0171-8780841, E-Mail: thilo.maack@greenpeace.de

    NABU: Dr. Kim Detloff, Tel: 0152-09202205, E-Mail: kim.detloff@nabu.de

    WDC: Fabian Ritter, Tel: 01577-344 82 74, E-Mail: Fabian.Ritter@whales.org

    WWF: Stephan Lutter, Tel: 0151-18854925, E-Mail: stephan.lutter@wwf.de

  • Militärmanöver gefährden bedrohte Arten im Mittelmeer!

    OceanCare_Strandungen Mittelmeer nach Militärmanövern (Stand Juni 2014)
    Strandungen Mittelmeer nach Militärmanövern (Stand Juni 2014) Quelle OceanCare

    Militärmanöver gefährden bedrohte Arten im Mittelmeer!

    In einem offenen Brief wendet sich OceanCare an die Regierungen Chinas und Russlands und an die NATO.

    Appell an China, Russland und NATO zur Einhaltung von Artenschutzbestimmungen

    Anlass sind militärische Manöver im Mittelmeer, die sich über sämtliche arten- und naturschutzrechtlichen Bestimmungen hinwegsetzen. Als Beispiel wird vor den fatalen Folgen des Einsatzes intensiver Sonarsysteme gewarnt, die Ursache für zahlreiche atypische Walstrandungen in der Vergangenheit waren.

    Der Brief ist hier zu finden:

    http://www.oceancare.org/de/news/?146/Militarmanover-gefahrden-bedrohte-Arten-im-Mittelmeer

  • improvising the ship. constellations of improvised contemporary music

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    improvising the ship. constellations of improvised contemporary music

    13. Mai 2015 MS Stubnitz
    20:00

    Kirchenpauerkai, 20457 Hamburg

    Duo Krennerich-Vierkötter + Trio Mandel-Krennerich-Levine + Quartett mit Frauke Eckhardt

    Ein spannender Abend mit improvisierter Musik und einem Schiff als lebendige Musikerin!
    Das Duo Krennerich-Vierkötter und das Trio Mandel-Krennerich-Levine werden den musikalischen Anfang machen, ehe das Schiff selbst als experimentelle Klang-Schaffende hinzutreten wird: Frauke Eckhardt wird die MS Stubnitz dafür eigens mit Körperschallmikrofonen ausstatten. Entfernte Schiffsklänge werden somit in einen unmittelbaren musikalischen Zusammenhang (ver)rückt – und der Klang-Pool noch unberechenbarer.

    Es musizieren in unterschiedlicher Besetzung:
    Anna Mandel (Vocals), Andreas Krennerich (Saxophon), Andrew Levine (Theremin), Gerd Vierkötter (Percussion) und Frauke Eckhardt (Körperschallmikrofone).

    Einlass ab 20 Uhr
    Konzertbeginn um 21 Uhr

    10 VVK 12 AK
    6 VVK 8 AK ermäßigt für Studenten
    Tickets online im Vorverkauf hier: https://www.tixforgigs.com/site/Pages/Shop/ShowEvent.aspx?ID=1231

    A tribute to the Oceans sponsored by DEEPWAVE eV - Organisation for Marine Conservation
    www.deepwave.org

  • EU-Fischereipolitik: Mehrjahresplan für die Ostsee – Trilog-Verhandlungen

    EU-Fischereipolitik: Mehrjahresplan für die Ostsee – Trilog-Verhandlungen

    Gemeinsamer Verbändebrief von The Pew Charitable Trusts, Greenpeace, Nabu, M.E.E.R. e.V., DEEPWAVE, Deutscher Naturschutzbund, WWF Deutschland

    An
    Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)

    Berlin, 11. Mai 2015
    Sehr geehrter Herr Dr. Jeub,

    In den nächsten Ratsarbeitsgruppen wird Deutschland gemeinsam mit den anderen EU-Mitgliedstaaten das Verhandlungsmandat vereinbaren, mit dem die Lettische Ratspräsidentschaft in den Trilog zum Kommissionsvorschlag für einen Mehrjahresplan für die Ostsee [COM(2014)614] gehen wird.

    Wir sind besorgt, dass die am 20. April 2015 im Rat erzielte partielle allgemeine Ausrichtung für diesen Mehrjahresplan im Widerspruch zur Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) zu stehen scheint. Unterdessen sprach sich das Europäische Parlament für einen Mehrjahresplan im Einklang mit der GFP aus:

    1. Zielsetzung des Mehrjahresplans: In der partiellen allgemeinen Ausrichtung des Rates ist ein wesentliches Ziel der GFP nicht korrekt wiedergegeben: Populationen fischereilich genutzter Arten müssen so wiedergehergestellt und erhalten werden, dass sie oberhalb des Niveaus liegen, welches den höchstmöglichen Dauerertrag (MSY) ermöglicht. So legt es die GFP fest und wurde es vom Europäischen Parlament bestätigt. Wir begrüßen den für diesen Punkt relevanten Beitrag Deutschlands zur öffentlichen Diskussion des Rates am vom 20. April 2015 ausdrücklich.

    2. Anwendungsbereich der Zielsetzung: Aus der GFP geht hervor, dass das Ziel, Populationen fischereilich genutzter Arten oberhalb des Niveaus für den höchstmöglichen Dauerertrag wiederherzustellen und zu erhalten, ohne Ausnahme für alle Populationen gilt. Im Widerspruch hierzu definiert die Ratsposition niedrigere Zielsetzungen für Plattfische. Dagegen spiegelt der Vorschlag des Europäischen Parlaments diese Anforderung der GFP im Mehrjahresplan korrekt wider.

    3. Nachhaltige Raten für fischereiliche Sterblichkeit: Die GFP fordert, die Befischungsintensität bis 2015 soweit möglich und unter allen Umständen schrittweise bis spätestens 2020 für alle Bestände auf MSY-Niveau (FMSY) zu bringen. Die partielle allgemeine Ausrichtung nennt jedoch Obergrenzen für den Bereich der fischereilichen Sterblichkeit, die die wissenschaftlichen Empfehlungen für FMSY - teilweise sogar erheblich überschreiten. Das Parlament hingegen bestätigte erneut FMSY als Obergrenze, im Einklang mit der GFP sowie dem Annex II des VN-Übereinkommens über Fischbestände.

    4. Die Referenzwerte für die Bestandserhaltung: Die Ratsposition sieht vor, Maßnahmen zu ergreifen, sobald die Mindestwerte für die Bestandserhaltung unterschritten werden, um Bestände wieder auf Vorsorgewerte anwachsen zu lassen. Es fehlt somit die Ambition der GFP, Fischpopulationen wieder aufzufüllen und oberhalb eines Niveaus der Biomasse zu halten, das den höchstmöglichen Dauerertrag ermöglicht. Wie in der Position des Europäischen Parlaments verankert, würde das voraussetzen, dass fischereiliche Maßnahmen bereits dann ergriffen werden, wenn Fischbestände unter die Referenzgröße BMSY fallen, um die Bestände wieder oberhalb des BMSY Niveau wiederherzustellen und dort zu erhalten.

    Wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie uns darlegen könnten, wie weit Deutschland bereit ist, der Lettischen Präsidentschaft ein Verhandlungsmandat zu geben, welches den Positionen des Europäischen Parlament zu den angeführten Punkten, insbesondere Punkte 2-4, weiter entgegenkommt.

    Wir sehen Ihrer Antwort entgegen und verbleiben mit freundlichen Grüßen,

    Markus Knigge
    Thilo Maack
    Kim Detloff
    Onno Groß
    Fabian Ritter
    Uwe Johannsen

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