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  • Kaltwasserkorallen dokumentieren Umweltveränderungen

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    Foto: Das Tauchboot JAGO während eines Tauchgangs im Trondheimsfjord (Norwegen) c) Jürgen Schauer, GEOMAR

    Kaltwasserkorallen dokumentieren Umweltveränderungen

    Korallen bauen ihre Skelette aus Kalk und reagieren daher besonders sensibel auf die zunehmende Versauerung der Ozeane. Mit Hilfe von präzisen Messungen haben Wissenschaftler des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel jetzt herausgefunden, dass Kaltwasserkorallen bestimmte Elemente in Abhängigkeit vom pH-Wert ihrer Umgebung in ihre Skelette einbauen. Diese Entdeckung kann zur Rekonstruktion vergangener pH-Werte genutzt werden. Die Studie erscheint jetzt in der Fachzeitschrift Biogeosciences.

    Ansteigende Konzentrationen von Kohlenstoffdioxid (CO2) in den Ozeanen können eine Bedrohung für marine Lebewesen sein. Denn ein erhöhter CO2-Gehalt des Wassers lässt den sogenannten pH-Wert des Wassers sinken; das Wasser wird saurer. Dies bedeutet eine Beeinträchtigung von marinen Lebewesen die ihre Schalen oder Skelette aus Karbonat bauen, weil versauerte Ozeane Karbonate auflösen können. Ein besseres Verständnis der Meerwasserchemie soll dabei helfen, Steuerungsprozesse im Karbonatsystem der Ozeane aus der Vergangenheit und für die Zukunft besser zu verstehen. Dr. Jacek Raddatz vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel hat zusammen mit Kollegen vom GEOMAR und aus Belgien untersucht, wie der pH-Wert des Meerwassers und der Aufbau der Korallen zusammenhängen. Die Ergebnisse wurden jetzt in der internationalen Fachzeitschrift Biogeosciences veröffentlicht.

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    Foto:Kaltwasserkoralle Lophelia pertusa im Trondheimsfjord (Norwegen). c) Solvin Zankl

    Für ihre Studie entnahmen die Forscher lebende Korallen der Art Lophelia pertusa sowie Wasserproben im nordöstlichen Atlantik und im Mittelmeer. An den Wasserproben wurde der pH-Wert bestimmt, so dass ein genaues Bild des Lebensraums der Korallen entstand. Aus den Korallen wurden Proben gebohrt, die anschließend im Labor genauer untersucht wurden. Dabei interessierte die Wissenschaftler vor allem der Gehalt der Elemente Uran und Kalzium, das so genannte U/Ca Verhältnis. Durch einen Vergleich beider Analysen kamen die Forscher etwas Interessantem auf die Spur. „Die Beziehung zwischen dem U/Ca Verhältnis und dem pH-Wert ist sehr eng“, berichtet Dr. Raddatz, Erstautor der aktuellen Studie. „Folglich könnten wir aufgrund dieser Erkenntnisse Korallenproben analysieren und aus dem U/Ca Verhältnis den pH-Wert der Vergangenheit berechnen. Das ist eine neue Methode für Kaltwasserkorallen und könnte eine Alternative zur Bor-Isotopie sein, die in der Analyse extrem zeitaufwändig ist. Die Kombination beider Verfahren (U/Ca-Verhältnisse und Bor-Isotopie) wird uns zukünftig ein detaillierteres Verständnis der Meerwasserchemie erlauben“, sagt der Wissenschaftler. Aktuell ist es schwer, die Folgen der bereits messbaren Ozeanversauerung abzuschätzen. Ein Blick in die Vergangenheit könnte dabei helfen. Wie haben sich diese Systeme in der Vergangenheit verändert und welchen Einfluss hatte das auf Kaltwasserkorallen? Diesen Fragestellungen wollen Dr. Raddatz und seine Kollegen weiter nachgehen.

    Die jetzt veröffentlichte Studie baut auf einer Arbeit vom GEOMAR Kollegen Dr. Sascha Flögel auf, die bereits Anfang des Jahres in der Fachzeitschrift Deep-Sea Research veröffentlicht wurde. Darin untersuchte Dr. Flögel zusammen mit Kollegen aus Großbritannien und Belgien, welche Umweltbedingungen für rezente Kaltwasserkorallen ideal sind. Dabei untersuchten die Forscher Proben aus Norwegen, Schottland, Irland, Frankreich, Spanien, Mauretanien und dem Mittelmeerraum. Ihre Ergebnisse geben einen Überblick, welches die bevorzugten physikalischen und chemischen Bedingungen für das Wachsen und Auftreten von Kaltwasserkorallen in den Arbeitsgebieten sind. „Ein entscheidender Parameter für das Wachstum von Kaltwasserkorallen im östlichen Atlantik und im Mittelmeer ist die Konzentration von anorganischem Kohlenstoff im Bodenwasser“, berichtet Dr. Flögel. Der Begriff anorganischer Kohlenstoff fasst verschiedene Kohlenstoff-Arten zusammen. „Dieser Gehalt ist regional verschieden und definiert daher, wo Kaltwasserkorallen wachsen können“, berichtet Dr. Flögel weiter. Neben dem Gehalt von anorganischem Kohlenstoff bestimmten die Wissenschaftler auch den pH-Wert des Wassers an den verschiedenen Lokationen. Diese Ergebnisse bildeten die Grundlage für die neu erschienene Studie in der Fachzeitschrift Biogeosciences.

    Der Zusammenhang zwischen dem pH-Wert des Meerwassers als Maß für die zunehmende Ozeanversauerung und der Verbreitung von Kaltwasserkorallen bleibt ein spannendes Arbeitsgebiet. Als Teil des Gesamtprojekts hat Dr. Raddatz zusammen mit Kollegen mehrere Korallen vom Challenger Mound im nordöstlichen Atlantik untersucht. Der Challenger Mound wird von zahlreichen Kaltwasserkorallen bedeckt, die zusammen genommen die vergangenen drei Millionen Jahre abdecken. „Eine Untersuchung dieses Archivs im Hinblick auf pH-Veränderungen des Meerwassers wäre eine spannende Aufgabe“, fasst Dr. Raddatz zusammen. „Unsere neu entwickelte Methode um pH-Werte der Vergangenheit zu rekonstruieren, bietet dafür eine einzigartige Möglichkeit“.

    Originalarbeiten:
    Raddatz, J., Rüggeberg, A., Flögel, S., Hathorne, E. C., Liebetrau, V., Eisenhauer, A., and Dullo, W.-Chr. (2014): The influence of seawater pH on U / Ca ratios in the scleractinian cold-water coral Lophelia pertusa, Biogeosciences, 11, 1-9, 1863-1871, http://dx.doi.org/10.5194/bg-11-1863-2014

    Flögel, S., Dullo – W.-Chr., Pfannkuche ,O., Kiriakoulakis, and Rüggeberg, A. (2014): Geochemical and physical constraints for the occurrence of living cold-water corals. Deep-Sea Research II: Topical Studies in Oceanography, 99, 19-26, http://dx.doi.org/10.1016/j.dsr2.2013.06.006

    Raddatz, J., Rüggeberg, A., Liebetrau, V., Foubert, A., Hathorne, E. C., Fietzke, J., Eisenhauer, A., and Dullo, W.-Chr. (2014): Environmental boundary conditions of cold-water coral mound growth over the last 3 million years in the Porcupine Seabight, Northeast Atlantic, Deep Sea Research Part II: Topical Studies in Oceanography, 99, 227-236, http://dx.doi.org/10.1016/j.dsr2.2013.06.009

    Links:
    http://www.rcmg.ugent.be/ Renard Zentrum für Marine Geologie, Universität Genf
    http://www.unifr.ch/geoscience/geology/ Fachbereich Geowissenschaften, Universität Freiburg
    https://ees.kuleuven.be/ Fachbereich Erd- und Umweltwissenschaften, KU Löwen

  • Weltklimarat legt Bericht zur Treibhausgas-Minderung vor

    Energiewende ist Schlüssel für mehr Klimaschutz
    Weltklimarat legt Bericht zur Treibhausgas-Minderung vor

    Der neue Bericht des Weltklimarats IPCC stellt klar: Die international vereinbarte Obergrenze von maximal 2°C kann mit ambitionierter Klimapolitik noch eingehalten werden. Die Wissenschaftler zeigen Optionen auf, wie dies erreicht werden kann. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und Bundesforschungsministerin Johanna Wanka sehen den zentralen Schlüssel für mehr Klimaschutz in einem grundlegenden Umbau der Energieversorgung. Nötig sei eine globale Energiewende mit erneuerbaren Energien, Energie- und Ressourceneffizienz. Hierzu lieferten Forschung und Entwicklung die notwendigen Baupläne.

    Der IPCC hat heute in Berlin seinen dritten Teilbericht vorgelegt. Demnach würde eine weitere Verzögerung von anspruchsvollen Klimaschutzmaßnahmen die Zahl der technologischen Optionen empfindlich reduzieren und die Kosten des Klimaschutzes erheblich erhöhen.

    Bundesumweltministerin Hendricks: „Wir müssen jetzt alles daran setzen, im Klimaschutz beherzt voran zu gehen. Deutschland kann dabei eine wichtige Rolle spielen, wenn wir der Welt am praktischen Beispiel zeigen, dass Klimaschutz in einem Industrieland funktioniert. Auf nationaler Ebene wollen wir nun in allen Bereichen nach den effizientesten Lösungen für den Klimaschutz suchen, um unsere ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Auf internationaler Ebene ist es wichtig, dass in diesem und nächsten Jahr die Weichen für ein verbindliches, weltweites Abkommen für die Zeit nach 2020 gestellt werden. Europa muss hier die Führung übernehmen. Darum wollen wir so schnell wie möglich ein EU-weites Klimaziel von mindestens 40 Prozent bis 2030 festlegen. Der Bericht des Weltklimarats zeigt, dass erneuerbare Energien und Energieeffizienz zentrale Bausteine für mehr Klimaschutz sind. Darum brauchen wir auch eigene Ziele für diese beiden Bereiche.“

    Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 die Treibhausgasemissionen um 80 bis 95 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Bis 2020 soll die Minderung mindestens 40 Prozent betragen.

    Bundesforschungsministerin Wanka: „Der Bericht der IPCC-Wissenschaftler zeigt: Die Klimaforschung und die Forschung für die Energiewende müssen mit Hochdruck fortgeführt werden.“ Seit dem letzten IPCC-Bericht 2007 hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Klimaforschung massiv verstärkt, vor allem mit seinem Rahmenprogramm „Forschung für Nachhaltige Entwicklungen (FONA). Allein im Jahr 2013 hat das BMBF 750 Millionen Euro in Klima- und Energieforschung investiert. Priorität haben dabei Projekte zur Vermeidung von CO2, beispielsweise bei Speichertechnologien wie Wärmespeichern und Batterien, Materialforschung oder der Nutzung von CO2 als Rohstoff. Zugleich entwickelt das BMBF nationale und internationale Strategien zur Anpassung an Folgen des Klimawandels. „Wir übernehmen Verantwortung insbesondere in den Regionen, die vom Klimawandel besonders betroffen sind“, sagte Wanka. So werden in Kooperation mit zehn westafrikanischen und fünf südafrikanischen Ländern Kompetenzzentren zu Klimawandel und Landnutzung in Afrika aufgebaut. Das BMBF richtet sein Augenmerk auch auf noch offene Forschungsfragen, etwa die Wolkenverteilung und Kohlenstoffspeicherung im Ozean. „Wo noch Wissenslücken bestehen, werden wir die Forschung vorantreiben“, so die Bundesforschungsministerin.

    Der Bericht ist der letzte von drei Teilbänden des 5. IPCC-Sachstandsberichtes. Der Teilbericht zeigt Handlungsoptionen zur Minderung von Treibhausgasemissionen auf. An ihm wirkten hunderte von Wissenschaftlern mit, auch 16 Experten aus Deutschland waren daran beteiligt. Nach Schweden und Japan war Deutschland erstmals Gastgeber des IPCC-Treffens, an dem rund 120 Staaten teilnahmen. Der erste Teilband beschäftigte sich mit den naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels, der zweite stellte die Folgen des Klimawandels, Verwundbarkeiten und Möglichkeiten der Anpassung dar. Der Zyklus des 5. IPCC-Sachstandsberichts schließt mit dem übergreifenden Synthesebericht, der Ende Oktober 2014 in Kopenhagen verabschiedet wird.

    Eine Zusammenfassung der Kernbotschaften finden Sie unter: www.bmub.bund.de/N50407
    Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle: www.de-ipcc.de
    Forschung zum Klimawandel: www.bmbf.de/de/8493.php

    Pressemitteilung des Bundesforschungsministeriums (BMBF) und des Bundesumweltministeriums (BMUB) "Klimawandel ist zentrale gesellschaftliche Herausforderung".

  • Ozeanversauerung macht Ostsee-Foraminiferen im Experiment wenig aus

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    Im Schutz des Meeresbodens: Einzeller tolerieren Ozeanversauerung

    GEOMAR-Forscher simulieren zukünftige Klimaszenarien

    Der Gehalt von atmosphärischen Treibhausgasen wie Kohlenstoffdioxid (CO2) steigt kontinuierlich an. Durch die Aufnahme von CO2 aus der Atmosphäre versauern die Ozeane zunehmend. Forscher des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel zeigen in einer aktuellen, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Studie, dass kalkbildende Einzeller, sogenannte Foraminiferen, unter bestimmten Bedingungen auch mit sehr hohen CO2-Werten gut umgehen können. Die Ergebnisse sind jüngst in der internationalen Fachzeitschrift Biogeosciences erschienen.

    Die Meere werden immer saurer. Diese Tatsache ist auf einen stetig steigenden, atmosphärischen CO2-Gehalt zurückzuführen. Durch den permanenten Gasaustausch zwischen Atmosphäre und Ozean führt das auch zu einer erhöhten CO2-Konzentration im Meer. Hier reagiert das gelöste CO2 mit dem Wasser zu Kohlensäure. Als Folgen dieser Reaktion sinkt der pH-Wert im Meer und die Konzentration von Karbonat nimmt ab. Diese Veränderung der Meereschemie trifft besonders Organismen, welche Karbonat zum Aufbau ihrer Kalkschalen und -skelette benötigen. Daher wird erwartet, dass auch die sogenannten Foraminiferen, Einzeller die ihre Schalen aus Karbonat aufbauen, besonders stark betroffen sind. So wurde in früheren Studien ein verringertes Wachstum beobachtet, im schlimmsten Fall löste sich die komplette Schale der Foraminiferen auf. Dr. Kristin Haynert vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel konnte jetzt jedoch, zusammen mit ihren GEOMAR-Kollegen Dr. Jörn Thomsen und Dr. Joachim Schönfeld (Projektleiter), sowie weiteren Kollegen aus Frankreich und Trinidad in einer Studie zeigen, dass Foraminiferen unter bestimmten Voraussetzungen sehr gut mit den erhöhten CO2 Bedingungen zurechtkommen. Die Studie erschien jetzt in der internationalen Fachzeitschrift Biogeosciences.

    Dr. Haynert und ihre Kollegen haben sich mit den Effekten erhöhter CO2-Werte auf Foraminiferen in der Ostsee beschäftigt. In diesem Randmeer leben die Einzeller auf oder im Meeresboden. „In einer früheren Feldstudie konnten wir bereits beobachten, dass die Foraminiferen am Boden der Ostsee schon heute höheren CO2 Gehalten ausgesetzt sind, als es für die Ozeane für das Jahr 2100 erwartet wird. Nach dem bisherigen Kenntnisstand müssten diese Bedingungen dazu führen, dass sich ihre Schalen auflösen“, berichtet Dr. Haynert.

    Um die Langzeitfolgen der Ozeanversauerung im Labor zu untersuchen, wählten Dr. Haynert und ihre Kollegen einen bisher einmaligen experimentellen Ansatz. Im Gegensatz zu früheren Laborstudien entfernten sie die Foraminiferen nicht aus dem Sediment, sondern hielten sie erstmals über sechs Monate in ihrem weitgehend naturgetreuen Lebensraum unter erhöhten CO2-Werten. Die gewählten CO2-Level entsprachen den gegenwärtig beobachteten CO2-Werten sowie Bedingungen, die zukünftig in der Ostsee erwartet werden. Das überraschende Ergebnis: Umgeben und geschützt vom Sediment tolerieren die Einzeller sehr hohe CO2-Werte.

    Für die anpassungsfähigen Foraminiferen ist eine entscheidende Voraussetzung notwendig: In den obersten Zentimetern des Meeresbodens muss eine hohe Konzentration an Karbonat vorhanden sein. Entscheidend hierfür ist der Umstand, dass Abbauprozesse im Sediment sowohl Sauerstoff verbrauchen, gleichzeitig aber auch Karbonat erzeugen. Deshalb ist die Konzentration von Karbonat im sogenannten Porenwasser deutlich höher als im darüber liegenden Wasser. Die Folge: Der Lebensraum der Foraminiferen ist nur selten untersättigt in Bezug auf Karbonat. „Auf diese Weise sind die Schalen vor starker Auflösung geschützt und die Foraminiferen besiedeln einen Lebensraum, der es ihnen erlaubt auch unter hohen CO2 Konzentrationen zu überleben. Ein entscheidender Umstand, der in früheren Studien übersehen wurde“, so Dr. Haynert.

    Die Ergebnisse dieser Studie unterstreichen die Notwendigkeit, die natürlichen Prozesse im Lebensraum bodenlebender Organismen zu verstehen, um die Folgen des Klimawandels besser abschätzen zu können.

    Originalarbeit:

    Haynert, K., Schönfeld, J., Schiebel, R., Wilson, B., and Thomsen, J. (2014): Response of benthic foraminifera to ocean acidification in their natural sediment environment: a long-term culturing experiment, Biogeosciences, 11, 1581-1597, http://dx.doi.org/10.5194/bg-11-1581-2014

  • Ein anderes Meer ist möglich - Meereskongress in Bremen

    Ein anderes Meer ist möglich!

    Das zivilgesellschaftliche Bündnis zum Europäischen Tag der Meere 2014 lädt zu den ersten Veranstaltungen im Vorfeld des Kongresses der Europäischen Kommission ein.

    Am 19. und 20. Mai findet in diesem Jahr in Bremen die größte meerespolitische Veranstaltung Europas statt. Ein breites Bündnis unterschiedlicher zivilgesellschaftlicher Organisationen nutzt diese Gelegenheit, um ihre Vorstellungen zur Zukunft der Meere in der Öffentlichkeit zu diskutieren und die aktuellen blauen Wachstumskonzepte in Frage zu stellen.

    Das Meer ist nicht mehr unendlich, die Ozeane verändern ihr Gesicht: Mit neuen Technologien und zunehmender Geschwindigkeit stößt der Mensch auf die Hohe See und in ihre Tiefen vor. Immer neue Vorhaben beginnen auch den letzten Winkel der Meere zu erschließen. Wie zuvor das Land wird nun die See kultiviert. Eine nachholende Industrialisierung hat eingesetzt. Schritt um Schritt geraten dabei Bereiche ins Blickfeld, die bisher kaum oder in erster Linie traditionell von Fischerei und Schifffahrt genutzt wurden.

    Weltweit werden tausende von Offshore-Plattformen, Aquakulturen und Windkraftanlagen errichtet. Ölbohrungen werden unter hohem Risiko tausende von Metern unter der Meeresoberfläche vorgenommen. Ohne die Containerschifffahrt ist die Globalisierung nicht mehr denkbar. Die Förderung von mineralischen Ressourcen aus großen Meerestiefen ist geplant, ohne dass ein hinreichendes Wissen über die ökologischen Konsequenzen existiert. Hochgerüstete Trawler machen Jagd auf die letzten lukrativen Fischbestände und konkurrieren mit der handwerklichen Fischerei. Per Flugzeug, Schiff und LKW gelangen Millionen Tonnen Fisch in die Europäische Union während die Ernährungssicherheit in vielen Ländern des globalen Südens nicht gewährleistet ist.

    In diesem Kontext verabschiedete die europäische Kommission 2012 die Strategie des „Blauen Wachstums“. Die Eroberung der Meere wird hier vor allem als ökonomische Chance betrachtet und die maritimen Schätze als willkommener Ersatz für die an Land zur Neige gehenden Lagerstätten behandelt. Geplant wird in großen Dimensionen, aber notwendige politische Prozesse, Partizipation und Transparenz werden hintan gestellt. Der Öffentlichkeit werden Versprechungen auf neue Rohstoffquellen und Arbeitsplätze gemacht, ohne die Rahmenbedingungen und Ziele der angepriesenen Projekte tatsächlich zu erörtern. Das letzte und zugleich größte Ökosystem der Erde wird industriell erschlossen: Millionen von Menschen an den Küsten und auf See erfahren einschneidende Veränderungen, aber niemand entwirft eine angemessene politische Utopie davon, wohin die Reise letztlich gehen soll. Welches Meer wollen wir? Haben unser Planet und seine Ökologie Belastungsgrenzen, die es zu beachten gilt? Was wollen die Menschen, die seit Jahrtausenden die Küsten bewohnen und das Meer nutzen?

    Geht diese Entwicklung weiter wie bisher, besteht die Gefahr, dass auf See die gleichen Fehler wie an Land wiederholt werden. Ohne die ökologischen und sozialen Gegebenheiten ausreichend zu berücksichtigen, vorausschauend zu handeln und die Betroffenen einzubeziehen werden Fakten geschaffen. Ganze Ökosysteme und die Existenzgrundlage von Küstengemeinden gehen unwiederbringlich verloren. Um Alternativen zu dieser Praxis zu diskutieren und ihre Vorstellungen einer anderen Meerespolitik öffentlich zu präsentieren, lädt ein breites, zivilgesellschaftliches Bündnis zu einer ganzen Reihe von Veranstaltungen und Aktivitäten in Bremen ein. Es beginnt mit einem Vortrag zu den Auswirkungen des Tiefseebergbaus am 09. April im Kapitel 8, umfasst Filmtage am 05. und 06. Mai im Kino city 46, Infostände am 18. Mai am Public Day und auf dem offiziellen Kongress zum Europäischen Tags der Meere vom 19. bis 20. Mai sowie direkt im Vorfeld der offiziellen Veranstaltungen eine eigenständige Konferenz des zivilgesellschaftlichen Bündnis vom 15. bis 17. Mai im Konsul-Hackfeld-Haus.
    Während die EU-Kommission ihren großen alljährlichen Kongress unter die Überschrift „Innovation drives Blue Growth“ stellt, werden auf den Veranstaltungen des Bündnisses die Grenzen des Blauen Wachstums in den Vordergrund rücken. Nicht technische Lösungen, sondern soziale und umweltpolitische Fragen werden erörtert. Die Spannbreite der Beiträge reicht so von Problemen des Meeresschutzes über die Rolle der Fischerei für die Ernährungssicherheit bis zu den Arbeitsbedingungen auf See, den Gefahren einer Flucht über See, den möglichen Auswirkungen des Tiefseebergbaus im Pazifik und aktuellen Entwicklungen des Seerechts. Vor diesem Hintergrund wird die Konferenz "Ein anderes Meer ist möglich!" Raum bieten für Informationsaustausch und die so lange vernachlässigte Debatte zur Zukunft der Weltmeere.

    Mittwoch, 9. April 2014, 19 Uhr in Bremen im „Kapitel 8“ an der Domsheide

    Die Tiefsee - Rettungsanker für unsere Wachstumsgesellschaft?

    Ein Vortrag von Peter Willers (Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz) aus Anlass des „Tages der Meere“ der Europäischen Kommission am 19./20.Mai 2014 in Bremen.

    Die EU-Kommission veranstaltet im Mai ihren jährlichen „Tag der Meere“, diesmal in Bremen. Erwartet werden über tausend Gäste aus ganz Europa. Das diesjährige Motto der Veranstaltung: „Blue Growth“ (blaues Wachstum). Hauptthema: Wege zur industriellen Erschließung der Tiefsee.

    Ist es zu verantworten, in die letzten unberührten und weitgehend unbekannten Regionen unseres Globus vorzustoßen, um dort Rohstoffe industriell abzubauen, weil sie an Land knapper und teurer zu werden drohen? Sind die ökologischen Risiken und Folgen überhaupt absehbar? Und wäre es nicht spätestens jetzt an der Zeit, über unsere Ökonomie des stetigen Wirtschaftswachstums nachzudenken?

    Peter Willers arbeitet seit über 30 Jahren im Meeresschutz. Er gibt einen Überblick über den Stand der Dinge. Anschließend Diskussion.

    Montag, 5.Mai 2014, 20.00 Uhr in Bremen im Kino city 46

    „Der letzte Fang“ - ein Dokumentarfilm von Markus CM Schmidt, 2012

    Von Fischernetzen im Mittelmeer bis zur Thunfischauktion in Japan. In „ Der letzte Fang“ reisen wir um die ganze Welt und erkunden die Abgründe der Überfischung – ein düsteres Geschäft, das unter starkem Druck steht und letztendlich etliche Arten bedroht.

    Zwei Fischerteams aus der südfranzösischen Küstenstadt Séte werden bei ihrer Arbeit begleitet.
    Unterschiedliche Traditionen unterscheiden die zwei Teams voneinander; und während eines der Familienunternehmen unter den strengen Auflagen des Thunfischfangs ums Überleben kämpft, zieht das andere seinen Nutzen aus Gesetzeslücken. Eine dieser Lücken ermöglicht es, an Libyens Küsten illegal zu fischen.

    Außerdem begleitet das Filmteam den Fischfang-Experten Robert Mielgo, der sich seit langem gegen die Überfischung einsetzt. Die Tatsache, dass Robert Mielgo einst selbst auf der düsteren Seite dieser Industrie arbeitete und an Libyens Küsten illegal fischte, gibt der Geschichte eine besondere Brisanz. Mielgo entschied sich allerdings die Seiten zu von einem zynischen und rücksichtslosen Kriminellen zu einem engagierten Umweltschützer zu wechseln. Mit dem Wissen aus seiner Vergangenheit kämpft er in einem Wettrennen gegen die Zeit.

    Neben einer klugen Erzählstruktur und geschickten Verknüpfungen der Recherche-Ergebnisse besticht DER LETZTE FANG vor allem durch die Kraft seiner Bilder und eine ausgereifte cineastische Bildsprache.

    Das Kino city 46 zeigt den Film am Montag, 5.5. 20.00 Uhr in Gegenwart des Filmemachers Markus CM Schmidt und Vertreterinnen des Wasserforums Bremen, Aktive beim zivilgesellschaftlichen Bündnis zum Europäischen Tag der Meere

    Dienstag, 5.Mai 2014, 20.00 Uhr in Bremen im Kino city 46

    Versenkt und Vergessen: Atommüll vor Europas Küsten, 2013

    Umweltaktivisten versuchten seit den 70iger Jahren, die Verklappung von Atommüll auf hoher See zu verhindern. Doch die Atomfrachter gewannen immer. Fässer mit radioaktiven Abfällen wurden einfach über Bord geworfen. Als die Öffentlichkeit erfuhr, was da auf See geschah, gewannen die Umweltorganisation Greenpeace ihren Kampf.

    Heute sind die mehr als 100 000 Tonnen radioaktiver Abfälle, die auf dem Meeresgrund vor Europa liegen, vergessen. Die Filmemacher Thomas Reutter und Manfred Ladwig haben sich mit einem Schiff und Spezialausrüstung auf die Suche nach den versenkten Atommüllfässern gemacht.

    Seit 1995 ist es zwar weltweit verboten, Atommüll von Schiffen aus ins Meer zu kippen. Es ist aber immer noch erlaubt, radioaktives Abwasser von Land aus ins Meer einzuleiten. Und genau das geschieht jeden Tag. Wiederaufbereitungsanlagen pumpen flüssigen Atommüll in die Irische See und in den Ärmelkanal. Die Langzeitfolgen der atomaren Meeresverschmutzung sind weitgehend unbekannt. Das es darüber kaum Informationen gibt, ist kein Zufall: Die wahre Aktenlage wird geleugnet, heruntergespielt oder verheimlicht. Die Verantwortlichen beschönigen seit Jahren das wahre Ausmaß der Gefahren, die von dem versenkten und vergessenen „Atomendlager“ im Meer ausgehen.

    Das Kino city 46 zeigt den Film am Dienstag, den 6.5. 20.30 Uhr in Gegenwart von Vertreterinnen des Wasserforums Bremen, Aktive beim zivilgesellschaftlichen Bündnis zum Europäischen Tag der Meere

    15. bis 17. Mai 2014, Konferenz im Konsul-Hackfeld-Haus

    Ein anderes Meer ist möglich!

    15. Mai 2014

    18.30 Uhr Begrüßung und Eröffnungsrede
    Kai Kaschinski (Fair Oceans)

    20.00 Uhr Podiumsveranstaltung „Die Grenzen des Blauen Wachstums“
    Nicole Franz (FAO, Rom),
    Antje Boetius (AWI, Bremerhaven),
    Francisco Mari (Brot für die Welt; Berlin),
    Gesprächspartner (Greenpeace, Hamburg)
    Moderation: Cornelia Wilß (Frankfurt)

    16. Mai 2014

    10 Uhr Begrüßung und Einführung

    10.30 Uhr - 12 Uhr

    Walheimat – Marine Ökosysteme verlangen Schutz!
    Whale and Dolphin Conservation

    Die Billigflaggenkampagne
    ver.di/ITF

    12 – 13 Uhr Mittagspause

    13 – 14.30 Uhr

    Die Entwicklung der Offshore-Windkraft in Deutschland – Berücksichtigung naturschutzfachlicher Aspekte und Auswirkungen auf die Ökosysteme in Nord- und Ostsee
    NABU

    OFF THE BEACH! Die globale Kampagne für sicheres und sauberes Schiffrecycling
    Shipbreaking Platform, Clean Shipping Index

    14.30 – 15.15 Uhr Kaffeepause

    15.15 – 16.45 Uhr

    Die Hohe See – Goldgrube oder gemeinsames Erbe der Menschheit?
    WWF

    Die Kleinfischerei im Kontext internationaler Fischereipolitik
    Confederation Africaine des Organisations de Peche Artisanale (CAOPA),
    Brot für die Welt, Fair Oceans

    16.45 – 17 Uhr Pause

    Plastik – weniger ist Meer
    BUND

    Wettlauf im Pazifik um die Schätze der Tiefsee
    Bismarck Ramu Group (BRG), Brot für die Welt, Fair Oceans

    18.30 Abendessen

    20 Uhr

    Podiumsveranstaltung „Zur Zukunft des Meeresschutzes“

    Inge Paulini (WBGU, Berlin),
    Rita Schwarzelühr-Sutter (angefragt, BMUB, Berlin),
    Nadja Ziebarth (BUND, Bremen),
    Stephan Lutter (WWF, Hamburg)
    Moderation: Cornelia Wilß (Frankfurt)

    17. Mai

    10 Uhr Begrüßung und Einführung

    10.30 Uhr - 12 Uhr

    Maritimer Raubbau in Kunst und Medien
    Fair Oceans

    Menschenrechte und die soziale Frage auf See
    Deutsche Seemannsmission

    12 – 13 Uhr Mittagspause

    13 – 14.30 Uhr

    Flucht über See
    medico international (angefragt)

    Ernährung und Fischereipolitik
    Slow Food Deutschland

    14.30 – 15.15 Uhr Kaffeepause

    15.15 – 16.45 Uhr

    Ziele Nachhaltiger Entwicklung für die Meerespolitik
    Forum Umwelt und Entwicklung

    Auswirkungen des Klimawandels auf die Meere
    Deepwave

    16.45 – 17 Uhr Übergang

    17 Uhr
    Plenum und Abschlusserklärung der Konferenz

    18.30 Uhr Verabschiedung

    Mit freundlichen Grüßen

    Kai Kaschinski

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    "Fair Oceans
    - Die Weltmeere als gemeinsames Erbe der Menschheit
    und ihre nachhaltige Nutzung"

    www.fair-oceans.info

    Ein Arbeitsschwerpunkt des
    Vereins für Internationalismus und Kommunikation e.V.

    Bernhardstraße 12
    28203 Bremen

    Fon: 0049-(0)152-295 170 04
    Fax: 0049-(0)421-307 46 65
    E-mail: fair-oceans@gmx.info

    Verein für Internationalismus und Kommunikation e.V.
    Postbank Hamburg - BLZ 20010020 - Kto 6669209
    Stichwort: Fair Oceans

  • Fish Dependence Day 2014: Wiederaufbau der Fischbestände jetzt!

    Fish Dependence Day 2014: Wiederaufbau der Fischbestände jetzt!

    Bereits ab Sonntag (6.4.) übersteigt der deutsche Fischkonsum mit mehr als 15 Kilogramm pro Kopf und Jahr die legalen Fangmöglichkeiten deutscher Fischer in EU-Gewässern. Ab dem so genannten Fish Dependence Day ist Deutschland statistisch gesehen für den Rest des Jahres vollständig auf den Import von Fisch und Meeresfrüchten angewiesen. Darauf weist die europaweite OCEAN2012-Allianz gemeinsam mit Slow Food Deutschland und Brot für die Welt hin. Die Organisationen fordern die Bundesregierung auf, mit einer zügigen Umsetzung der reformierten Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) den Wiederaufbau und die nachhaltige Bewirtschaftung der Fischbestände in der EU ab 2015 zu gewährleisten. Ziel sollte sein, den Fish Dependence Day möglichst Richtung Jahresende zu verschieben.

    Der Fish Dependence Day ist ein Indikator dafür, wie gut der heimische Bedarf an Fisch aus eigenen Gewässern gedeckt werden kann. Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland sind darauf angewiesen, dass eine verantwortungsvolle Fischereipolitik den Konsum von Fisch aus nachhaltigen heimischen Beständen ermöglicht. "Für eine wachsende Zahl von Menschen sind Verantwortung und Nachhaltigkeit Voraussetzung für Genuss und Genießen - die Erschöpfung oder Verschwendung der Meeresressourcen vor unserer Haustür ist gesellschaftlich nicht zu akzeptieren", erklärt Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland. "Nachhaltige Fanggrenzen bis 2015 sind ein wichtiger Schritt für die Lösung der Probleme in unseren Meeren und sie sind für die europäischen Bestände machbar - dieses wichtige GFP-Ziel muss ohne Aufschub umgesetzt werden."

    Nur mit gesunden, das heißt genügend großen Fischbeständen, kann die Abhängigkeit von Fischimporten, deren nachhaltiger Ursprung oft zweifelhaft ist, verringert werden. "Die EU und Deutschland als weltgrößter Importmarkt für Fisch sind mit verantwortlich für die weltweite Überfischung. Sie führt auch dazu, dass Fisch den Menschen in armen Ländern als wichtigste Eiweißquelle fehlt. Die EU muss dazu ihre eigene Fangkapazität auf den Weltmeeren drastisch reduzieren. Fischereiabkommen mit Entwicklungsländern darf es nur bei wirklichen Überschüssen für wenige Arten geben und der Fisch sollte in den Ländern selbst verarbeitet werden, um Arbeitsplätze zu schaffen", betont Francisco Mari, Fischereiexperte von Brot für die Welt.

    Im Rahmen der Reform der europäischen Fischereipolitik hat sich die OCEAN2012-Allianz seit 2009 für das Ende der Überfischung und destruktiver Fischfangmethoden in der und durch die EU eingesetzt. "Die reformierte Fischereipolitik der EU enthält unter anderem den Umsetzungsauftrag für die Bundesrepublik, die verschwenderische Praxis von Rückwürfen wertvoller Meeresressourcen zeitnah zu beenden", erklärt die Meeresschutzexpertin und deutsche OCEAN2012-Koordinatorin Nina Wolff. "Wir fordern die Bundesregierung eindringlich auf, sich dafür einzusetzen, dass Ausnahmen für das Anlandegebot nur auf der Grundlage eindeutiger wissenschaftlicher Erkenntnisse erteilt werden."

    Dem Fish Dependence Day liegt ein jährlich aktualisierter Bericht der englischen New Economics Foundation (nef) zugrunde, der das Maß der Selbstversorgung für die Europäische Union und jeden einzelnen Mitgliedstaat ermittelt: http://www.neweconomics.org/publications/entry/fish-dependence-2014-update

    Kontakt:
    Francisco Mari, Referent für Agrarhandel und Fischerei, Brot für die Welt - Evangelischer Entwicklungsdienst
    Mobil: 0179 462 17 83, E-Mail: francisco.mari@brot-fuer-die-welt.de

    Dr. Ursula Hudson, amtierende Vorsitzende von Slow Food Deutschland e.V.
    Mobil: 0170 433 62 30, E-Mail: ursula.hudson@slowfood.de

    Dr. Nina Wolff, OCEAN2012 Koordinatorin Deutschland
    Mobil: 0170 812 73 46, E-Mail: nina.wolff@ocean2012.eu

  • Fotoausstellung: Expedition in unerforschte Tiefen

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    Vipernfisch. Foto Solvin Zankl

    Fotoausstellung: Expedition in unerforschte Tiefen

    Seit mehr als 15 Jahren bereist der Kieler Fotograf Solvin Zankl alle Erdteile, um die Schönheit der Natur, aber auch ihre Gefährdung zu dokumentieren. Zusammen mit dem GEO-Redakteur Lars Abromeit gab er 2013 den Bildband „Ozeane – Expedition in unerforschte Tiefen“ heraus. Eine Fotoausstellung zeigt jetzt 35 der faszinierendsten Aufnahmen aus diesem Buch. Erste Station der Ausstellung ist das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Die Ausstellung wird am Freitag, 4. April eröffnet.

    Pinguine, die auf dem Wasser zu tanzen scheinen. Filigrane Quallen, die knapp unter der Wasseroberfläche durch einzelne Lichtstrahlung schweben. Transparente Fische mit riesigen Fangzähnen, die scheinbar aus einer anderen Welt stammen. Der Kieler Naturfotograf Solvin Zankl hat sie alle abgelichtet. Seit Jahren reist er um die Erde, sucht Inseln, Küsten und die offene See auf, um die Bewohner der Ozeane in all ihrer Pracht zu dokumentieren. Zusammen mit Texten des GEO-Redakteurs Lars Abromeit ist daraus im vergangenen Jahr der faszinierende Bildband „Ozeane“ entstanden, der seine Leser auf eine Expedition in unerforschte Tiefen entführt. Begleitend zum Bildband zeigt jetzt eine Fotoausstellung 35 atemberaubende Aufnahmen von ganz unterschiedlichen Meeresbewohnern. Sie ist ab kommenden Freitag, 4. April 2014, am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, Standort Ostufer, zu sehen.

    Wie das Buch seine Leser, so begleitet auch die Ausstellung ihre Besucher durch die Meere der verschiedenen Klimazonen, angefangen in den tropischen Meeren, über die subtropischen und kühlen bis hin zu den polaren Meeren. Ein eigenes Kapitel ist dem größten und gleichzeitig geheimnisvollsten Lebensraum der Erde, der Tiefsee, gewidmet. Viele der Fotos sind auf wissenschaftlichen Expeditionen entstanden, die Solvin Zankl als Fotograf begleiten konnte. So hat er unter anderem an einer Fahrt des Alfred-Wegener-Instituts Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung mit dem Forschungseisbrecher POLARSTERN in den Südatlantik teilgenommen, wo einige der einmaligen Fotografien von Tiefseeorganismen entstanden sind. Während einer Expedition des GEOMAR mit dem Kieler Forschungsschiff POSEIDON und dem Tauchboot JAGO vor der Norwegischen Küste hat Zankl Kaltwasserkorallenriffe vor die Linse bekommen, die für normale Taucher unzugänglich sind. „In dem Spagat zwischen Wissenschaft und Fotografie fühle ich mich zuhause“, sagt Zankl, der zunächst biologische Meereskunde in Kiel studierte, bevor er 1998 sein Hobby Fotografie zum Hauptberuf machte.

    Am GEOMAR ist die Ausstellung von Freitag, 4. April, bis Freitag, 13. Juni zu sehen. Der Eintritt ist frei, die Öffnungszeiten sind Montag, Dienstag und Mittwoch von 8 bis 16 Uhr, Donnerstag von 8 bis 15:30 Uhr und Freitag von 8 bis 15 Uhr.

    Ausstellungseröffnung am GEOMAR (öffentlich):
    Zeit: Freitag, 4. April 2014, 13 Uhr
    Ort: GEOMAR, Foyer Standort Ost, Wischhofstraße 1-3, 24148 Kiel

    Grußwort: Prof. Dr. Peter Herzig, Direktor des GEOMAR
    Einführung in die Ausstellung: Solvin Zankl

    Das Buch „Ozeane – Expedition in unerforschte Tiefen“ von Solvin Zankl und Lars Abromeit, 264 Seiten, ca. 220 Abbildungen, Format 26,8 x 28,9 cm, Hardcover mit Schutzumschlag, ist im Federking & Thaler Verlag erschienen (ISBN-13: 978-3-89405-977-4)

  • Baywatch – Plastik im Fokus : Streetspotr-Kampagne für Meeresschutz

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    Neue Sozial-Spots! Tragt jetzt bei Streetspotr euren Teil zum Erhalt der #Umwelt bei! In Kooperation mit www.wir-ändern-das.de und DEEPWAVE könnt ihr nun verschmutze Uferflächen dokumentieren und - wenn möglich - auch direkt reinigen. Als Belohnung winken StreetPoints und gleich zwei Badges! Werdet jetzt Teil der Umweltbewegung!

    Baywatch – Plastik im Fokus

    Hamburg, 31.3.2014: Die Initiative wir-ändern-das.org kooperiert zu ihrem Start mit Streetspotr, Europas größter mobile Workforce, um die gebündelte Kraft von derzeit über 240.000 Smartphone-Usern dafür einzusetzen, mit einfachen Handgriffen etwas an der Zerstörung der Umwelt zu ändern. Mit dem Startprojekt „Baywatch“ kann jeder mit einfachen Handgriffen etwas zur Reduzierung des Plastikmülls beitragen.

    Streetspotr-Nutzer erledigen im Rahmen der App kleine Aufgaben an ihren individuellen Aufenthaltsorten. Während es bei den meisten Aufträgen darum geht, sich für Mikrojobs eine kleine Honorierung zu verdienen, steht bei den Jobs von wir-ändern-das.org im Fokus Gutes zu bewegen. Beim ersten gemeinsamen Projekt „Baywatch – Plastik im Fokus“ von Streetspotr und wir ändern das soll Müll an Ufern und Stränden eingesammelt werden – als Aktion für die Hamburger Meeresschutzorganisation DEEPWAVE e.V. Kommt ein Streetspotr-Nutzer an einem wassernahen Gebiet vorbei, wird er den Abschnitt auf Abfälle prüfen und sie gegebenenfalls aufsammeln. Vorher-Nachher-Fotos belegen den Einsatz des Users und machen ihn zu einem Teil einer großen Bewegung. Streetspotr-Mitgründerin Dorothea Utzt freut sich über das erste gemeinsame Projekt: "Wir sind begeistert, nach wheelmap.org mit wir-ändern-das.org einen weiteren Partner für sozial und umweltpolitisch relevante Aufgaben gewonnen zu haben."

    "wir-ändern-das.org ist eine Initiative, die aus vielen Mücken einen Elefanten macht, der die Welt nachhaltig verändert", erklärt Gründer Ingo Ballmann. "Wir verstehen uns als Bindeglied zwischen Umweltschutzvereinen wie DEEPWAVE, Technologie-Partnern wie Streetspotr, die den NGOs mit ihrer Plattform eine Bühne geben, und Menschen, die etwas ändern möchten." Los geht die Kooperation mit der Müllsammel-Aktion für Deepwave, weil es sich um ein "einfaches" Change-Projekt handelt, das jeder gut in seinen Alltag integrieren kann. „Zehntausende Plastikteile befinden sich heute auf jedem Quadratkilometer Meeresfläche und gefährden unzählige Tiere“, mahnt der Meeresbiologe Dr. Onno Groß, Vorsitzender von DEEPWAVE. „Und über die Flüsse gelangt das Plastik auch vom Binnenland ins Meer. Das Aufsammeln von Müll ist daher die effektivste und einfachste Lösung etwas gegen die Verschmutzung zu tun. Wir freuen uns schon über die vielen neuen Meeresschützer und werden die Informationen aufbereiten und in den politischen Diskurs einbringen.“

    Nächste Kampagnen von wir-ändern-das.org sind bereits mit der Albert Schweitzer-Stiftung in Planung, die sich für den Schutz und die Rechte der Tiere einsetzt. "Wir sind nicht die, die ins eiskalte Wasser springen und Öltanker aufhalten. Das ist bewundernswert, aber nicht jedermanns Sache. Wir sind die normalen Menschen, die sich gegenseitig inspirieren zu kleinen Veränderungen im Alltag. Einfach mal auf Plastiktüten verzichten. Einfach mal Müll aufheben. Bündelt man diese kleinen Taten zusammen kann man Wunder bewirken. Jeder für sich und doch gemeinsam", beschreibt Ingo Ballmann die Initiative.

    Über die Kooperation mit Streetspotr hinaus wird wir-ändern-das.org eine eigene Plattform launchen: Diese soll über brennende Baustellen aufklären, Menschen für eigene Challenges gewinnen, durch die sie bei sich etwas ändern können, und Usern Raum für eigene Aktionen geben, für die sie Mitmacher suchen. Unter wir-ändern-das.org können sich User jetzt schon anmelden und regelmäßig über neue Aktionen informiert werden. "Wir ändern das ist für Menschen, die ein Bewusstsein eint für Dinge, die in dieser Welt falsch laufen - Verpackungsirrsinn, Tierhaltung, soziale Ungerechtigkeiten, Raubbau, Verschwendung. Und der Optimismus, dass wir das gemeinsam ändern können. Es ist die erste Plattform dieser Art, die direkt zu zielgerichteten Aktionen für menschlichere Wege führt. Die erste Crowd-Helping-Plattform“, erklärt Ingo Ballmann.

    Kurzbeschreibungen:

    wir-ändern-das.org ist eine Plattform, mit deren Hilfe jeder die Dinge einfach angehen kann, die wir ändern wollen. Schritt für Schritt. Aktiv. Wir-ändern-das.org bündelt diese kleinen Taten um in der Summe Großes zu bewegen.
    Dies geschieht auf der einen Seite über Partner, die sich schon lange für das Leben einsetzen. Denn wir wissen, dass es viele Menschen braucht, die gemeinsam für etwas einstehen, um eine Änderung zu erzielen. Gemeinsam schaffen wir es. Wie macht man aus einer Mücke einen Elefanten? Mit Vielen. Sei dabei.

    www.wir-ändern-das.org

    Die Meeresschutzorganisation DEEPWAVE e.V. bringt das tägliche Missmanagement und die Gefahren für die Weltmeere in die Öffentlichkeit. Dabei arbeitet DEEPWAVE national und international als politischer Aufklärer und setzt sich für mehr Meeresschutzgebiete, für einen besseren Artenschutz und eine bessere Fischereipolitik durch ein Verbot der Tiefseeschleppnetzfischerei ein. Ausstellungen, Aktionen, aktuelle Infomaterialien und Social Media-Aktivitäten ermöglichen es, sich über den Meeresschutz zu informieren.
    www.deepwave.org

    Streetspotr (www.streetspotr.com) ist Europas größte mobile Workforce. Über 240.000 Smartphone-Nutzer erledigen ortsbezogene Aufträge wie z.B. die Überprüfung von Produktplatzierungen, das Fotografieren von Speisekarten oder die Überprüfung von Adressen und Öffnungszeiten lokaler Geschäfte - überall, jederzeit und in jedem Ausmaß, und alles über ihre Smartphones.

    www.streetspotr.de

    wir-ändern-das.org, Ingo Ballmann E-Mail: mobil: 0049 178 7606135
    DEEPWAVE. e.V., Dr. Onno Groß, E-Mail: Mobil: + (0)179 598 69 69
    Streetspotr GmbH, Dorothea Utzt, E-Mail: , Tel.: 0911/14878490

    Wir-ändern-das.org bündelt die wichtigen Themen vor denen wir global stehen und schafft Lösungen, die jeder für sich persönlich angehen kann.
    Wir-ändern-das.org ist gegründet von Ingo Ballmann der als Mentor und Projektentwickler in vielen nachhaltigen Projekten mitgewirkt hat. Aktuell ist er in der Gründung eines gemeinnützigen Vereins und der Gründung eines Studienganges für ganzheitliches Management

    Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.

  • UN verbietet Japans Walfang

    UN-Gericht verbietet Japan Jagd auf Wale

    Das höchste UN-Gericht hat Japan die Jagd auf Wale im Südpolarmeer verboten. Das Land verstoße mit der Jagd auf die geschützten Meeressäuger gegen internationales Recht, urteilte der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag.

    Seit mehr als 25 Jahren haben japanische Jäger im Rahmen eines umstrittenen Forschungsprogramms über 10 000 Großwale in den antarktischen Gewässern getötet. Australien, das die Klage 2010 angestrengt hatte, und Umweltschützer begrüßten das Urteil als großen Sieg für die vom Aussterben bedrohten Tiere.

    «Das bedeutet, dass wir keine Harpunen mehr im Südlichen Ozean sehen werden», sagte der ehemalige australische Umweltminister Peter Garrett dem Sender ABC. Er sei überglücklich angesichts der Entscheidung. Garrett hatte den Prozess angestoßen.

    Tokio hatte schon zuvor erklärt, dass es sich dem Spruch der 16 Richter beugen werde. Das Urteil des UN-Gerichts ist bindend, eine Berufung ist nicht möglich.

    mehr:
    http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/PANORAMA/UN-Gericht-verbietet-Japan-Jagd-auf-Wale-artikel8764317.php

    Court finds that Japan's whaling programme in the Antarctic (JARPA II) is not in accordance with three provisions of the Schedule to the International Convention for the Regulation of Whaling

    http://www.icj-cij.org/docket/index.php?p1=3&p2=2&case=148&code=aj&p3=6

    Japan accepts court ban on Antarctic whaling
    http://www.bbc.com/news/world-asia-26818863

  • Atommüll im Meer - Bundesregierung für Untersuchung

    "Report Mainz": Atommüll im Meer - Bundesregierung für Untersuchung/ Positionspapier exklusiv auf reportmainz.de

    Die Bundesregierung hat sich erstmals dafür ausgesprochen, die Meeresgebiete vor der europäischen Küste zu untersuchen, in denen bis 1982 Atommüll versenkt wurde. Forschungsmissionen sollen aufklären, wie sich die Radioaktivität aus leckgeschlagenen Fässern in der Nahrungskette anreichert und sich auf lebende Organismen auswirkt. Das geht aus einem Positionspapier der Bundesregierung hervor, das das ARD-Politikmagazin "Report Mainz" exklusiv auf seiner Internetseite (reportmainz.de) veröffentlicht.

    Deutschland brachte das 29-seitige Papier im Februar in den Ausschuss "Radioaktive Substanzen" der Internationalen Meeresschutzorganisation OSPAR ein. Der OSPAR gehören die EU und die Regierungen der Nordostatlantik-Anrainerstaaten an. Konkret präsentiert die Bundesregierung drei Optionen. Erstens: Von einem Forschungsschiff aus könnten Proben aus dem Hauptversenkungsgebiet entnommen werden. Zweitens: Mehrere Forschungsreisen könnten in alle Versenkungsgebiete gemacht werden. Drittens: Ein ferngesteuertes Roboter-U-Boot könnte Proben in der unmittelbaren Umgebung der Atommüllfässer auf dem Meeresgrund entnehmen. In dem Papier bezeichnet die Bundesregierung eine Untersuchung der Atommüll-Versenkungsgebiete als "möglicherweise angemessen". Die USA hätten bereits 1992 mit Spezial-Sonar-Geräten und unbemannten Mini-U-Booten eigenen Atommüll auf dem Meeresgrund untersucht, so die Bundesregierung.

    Deutschland hatte die erste gemeinsame, internationale Versenkung von Atommüll angeregt: 1967 ließ die Bundesregierung radioaktive Abfälle aus dem Kernforschungszentrum Karlsruhe in 480 Stahlfässern zusammen mit britischem und belgischem Atommüll im Atlantik versenken. Insgesamt verklappten europäische Staaten mehr als 220.000 Fässer mit radioaktivem Müll an 15 Stellen im Atlantik. Mehr als 28.000 Fässer davon liegen im Ärmelkanal vor der französischen Küste in etwa 100 Metern Tiefe. "Report Mainz" hatte bereits 2011 exklusiv darüber berichtet, dass die versenkten Atommüllfässer auslaufen. In einer ersten Stellungnahme hatte das Bundesumweltministerium "Report Mainz" dazu mitgeteilt, das Ministerium sehe "keinen Anlass zu regelmäßigen Überwachungen" der Versenkungsgebiete.

    Sylvia Kotting-Uhl, die Atompolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Deutschen Bundestag sprach sich "Report Mainz" gegenüber dafür aus, dass sich Deutschland als Mitverursacher an einer Forschungsmission beteiligt. Wörtlich sagte sie: "Die Kosten sollten in erster Linie nach dem Verursacherprinzip getragen werden. Sollte dafür nicht genug Bereitschaft vorhanden sein, sollten alle OSPAR-Staaten sich beteiligen. Letztlich sind alle vom Problem des versenkten Atommülls betroffen."

    Weitere Informationen unter SWR.de/report.

  • Die Weichen für mehr Naturschutz stellen - Zur Lage der Natur in Deutschland

    Ministerin Hendricks: "Die Weichen für mehr Naturschutz stellen"

    Ein ausführliches Informationspapier "Zur Lage der Natur in Deutschland"

    Bundesnaturschutzministerin Barbara Hendricks will die Weichen für mehr Naturschutz in Deutschland stellen. "Wenn wir gefährdete Tiere und Pflanzen in Deutschland erhalten wollen, brauchen wir eine Kurskorrektur in mehreren Bereichen", sagte Hendricks bei der Vorstellung der neuen Berichte zur Lage der Natur. Die jüngste Bestandsaufnahme zeige neben einigen Erfolgen auch, dass mehr für den Naturschutz getan werden müsse. Als Handlungsfelder benannte Hendricks die Energiepolitik, die Landwirtschaft und den Hochwasserschutz.

    "Der Natur geht es in manchen Teilen besser. Wir haben zum Beispiel wieder mehr Wildkatzen oder Seeadler. Hier zeigt sich, dass im Naturschutz Erfolge möglich sind. In anderen Bereichen geht es der Natur dagegen besorgniserregend schlecht. So leiden viele Arten wie Schmetterlinge oder Bienen darunter, dass blütenreiche Wiesen in Maisäcker umgewandelt werden", sagte Hendricks.

    Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz (BfN): "Der Natur in den Alpen und den Felsküsten geht es überwiegend gut. Aber die landwirtschaftlich genutzten Lebensräume sind aus Naturschutzsicht überwiegend in einem schlechten Zustand. Es gehen zu viele Grünlandflächen verloren und damit wichtige Lebensräume für eine Vielzahl von gefährdeten Arten. Wir spüren auch die Folgen des Verlustes der Flussauen. Denn Flussauen schützen nicht nur die Menschen vor Hochwasser, sie sind auch für viele Tiere und Pflanzen überlebenswichtig."

    Grundsätzlich ist der Naturschutz in Deutschland Ländersache. Aber auch der Bund könne einiges tun, sagte Hendricks. Als Beispiel nannte sie ein neues Programm zum "Präventiven Hochwasserschutz", an dem das Bundesumweltministerium derzeit mit den Ländern arbeite. Wenn man den Flüssen mehr Raum gebe, sei das gut für Hochwasserschutz und Naturschutz gleichermaßen. "Ich bin dafür, dass wir den ökologisch wertvollen Maßnahmen, den Deichrückverlegungen und der Renaturierung von Flussauen beim Hochwasserschutz Priorität einräumen", so die Ministerin.
    Ambitioniertes Handeln sei auch im Bereich Landwirtschaft nötig, so Hendricks. Die Landwirtschaft ist für 54 Prozent der Landfläche in Deutschland verantwortlich. Damit habe sie auch eine besondere Verantwortung für die biologische Vielfalt. So müssten im Rahmen der Agrarreform die Weiden und Wiesen besser geschützt werden vor einer Umwandlung in Äcker.

    Dafür müsse auch der Trend zum Anbau von immer mehr Energiepflanzen gestoppt werden. "Bereits heute wachsen auf mehr als 17 Prozent der deutschen Ackerfläche Energiepflanzen - das reicht", so die Ministerin. Neue Biogasanlagen müssten daher mit Abfall- und Reststoffen gefüllt werden und nicht mehr mit Mais. "Wir müssen die weitere Vermaisung der Landschaft beenden", sagte Hendricks. Auch ein weiterer Ausbau der Biokraftstoffe der ersten Generation sei für den Naturschutz gefährlich.
    Zusatzinformationen:

    Grundlage für die Analyse ist ein im Naturschutz bislang einmaliger Datenschatz: In rund 12.000 Stichproben haben Naturschützer und Behörden bundesweit den Zustand von Tieren, Pflanzen und Lebensräumen erforscht, die über die europäischen FFH- und Vogelschutzrichtlinien geschützt sind. Aus den Daten lassen sich aber auch Rückschüsse auf die Lage der Natur in Deutschland insgesamt ziehen.

    25 Prozent der untersuchten Arten sind in einem günstigen Erhaltungszustand, darunter der Biber, die Kegelrobbe oder der Steinbock. 29 Prozent sind in einem schlechten Zustand, das betrifft vor allem Schmetterlinge, Amphibien und Wanderfische. Bei den Lebensräumen sind 28 Prozent in einem günstigen Zustand, vor allem die Wälder haben sich stabilisiert. In einem schlechten Zustand befinden sich insgesamt 31 Prozent der untersuchten Lebensräume, besonders Wiesen und Weiden.

    Ein ausführliches Informationspapier "Zur Lage der Natur in Deutschland", die Ergebnisse von FFH- und Vogelschutzbericht sowie Steckbriefe ausgewählter Arten und Lebensräume finden Sie unter www.bmub.bund.de/P2976.

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